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Spannende Mediations-Fälle von Klarau (3. Teil)

Mein Mediations-Kollege André Thommen hat die Idee aufgebracht, reale oder fiktive Mediations-Geschichten zu erzählen. Mit Hilfe von spannenden oder lustigen Geschichten könnte die Mediation und insbesondere die Wirtschaftsmediation einem breiteren Publikum nähergebracht werden. Mediation ist eine wunderbare Möglichkeit, Konflikte lösen zu helfen.

Die Basis meiner Geschichten bildet ein Kriminalroman, den ich 2012 unter dem Pseudonym ‚von Klarau‘ geschrieben habe. Der Hauptprotagonist im Roman ‚Schmuggelware‘ – Clement von Klarau – ist Mediator. Im Roman wird Clement ohne Zutun und Verschulden in ein Verbrechen verwickelt. Bei der Lösung des Falles helfen ihm seine Mediations-Fähigkeiten. Daneben geht er nach wie vor seiner Berufung und seinem Beruf als Mediator nach und hilft, Konfliktparteien ihre Auseinandersetzungen einvernehmlich zu lösen.

Die beiden ersten Episoden finden Sie hier:

1. Teil –
«Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist, zu beobachten ohne zu bewerten»

2. Teil – «Die Kirche sagt, du sollst deinen nächsten lieben. Ich bin überzeugt, dass sie meinen Nachbarn nicht kennt.»

Ich hoffe, Sie haben beim Lesen der dritten Episode ein wenig Spass und lernen dabei vielleicht etwas Neues über die Mediation, wie Mediatoren und Coaches denken und erfahren zudem das eine oder andere «Mediations-Geheimnis».

Hinweis: Da die Originale dieser Mediations-Geschichten in ein Buch eingebettet sind, kann es sein, dass einige Passagen auf Gegebenheiten, Orte oder Menschen hinweisen, die an anderer Stelle im Buch vorkommen. Entsprechend kann der Leser ein paar Details vermissen. Ich traue jedoch den Lesern zu, evtl. fehlende Elemente mit der eigenen Fantasie zu ergänzen.


Andreas Betschart


Handlung und Personen sind frei erfunden. Sollte es trotzdem Übereinstimmungen zu lebenden oder verblichenen Personen geben, so würden diese auf jenen Zufällen beruhen, die das Leben so vorgesehen hat.


Goethe als Mediator?

„Was du ererbt von deinem Vater hast, erwirb es, um es zu besitzen.“

— Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, Vers 682f

«Was erlauben Sie sich! Was glauben Sie eigentlich Herr Lahr, wer Sie sind?! Seit sieben Generationen befindet sich das Unternehmen Wotlow in Besitz MEINER Familie. Ich trage nicht umsonst diesen Namen. Ich bin eine Wotlow! Da können Sie doch nicht behaupten, dass mein Vater Sie als Nachfolger vorgesehen hat!“ brüllte Sabine Wotlow ihr Gegenüber Philipp Lahr an. Ohne Philipp Lahr Zeit für eine Erwiderung zu geben, fuhr Frau Wotlow aufgebracht fort: „Schön für Sie, dass Sie seit 20 Jahren Meister im Betrieb sind und danke Ihnen für Nichts. Klar haben Sie meinen Vater unterstützt. Ha! Zum Guten war es eh nicht und jetzt ist Schluss. SIE fahren meine Firma nicht an die Wand. Ich bin jetzt rechtmässige Geschäftsführerin, die Erbengemeinschaft hat mich eingesetzt. Jetzt bin am Ruder und nicht Sie!“

„Dies ist lediglich Ihr persönlicher Feldzug gegen mich Frau Wotlow! Sie wollen mich schlicht und einfach fertigmachen“, ereiferte sich der 53-jährige Philipp Lahr.

Ich hatte diesen Morgen eine Mediationssitzung im Kaminzimmer. Zwei Stunden waren vorgesehen, 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr. Es war bereits 11.30 Uhr und der Schlagabtausch war in vollem Gange. Wobei sich die Argumentationen mittlerweile wiederholten und sich die Positionen immer mehr verhärteten. Das war in der Mediation nicht mal so selten, vor allem zu Beginn. Wichtig für die Lösungsentwicklung war, dass sich die Parteien der Interessen gewahr wurden, die hinter den verschiedenen Positionen standen. Sowohl der eigenen Interessen, als auch der Interessen der anderen Partei.

Es ging als Mediator auch darum, den Parteien Raum für Emotionen zu geben und nicht dem Drang nachzugeben, sofort schlichten zu müssen. Ein Gewitter konnte auch reinigend wirken. Oft wurde von den Mediationsparteien die Gelegenheit wahrgenommen, ihren Frust und Ärger im Beisein des Mediators auszudrücken. Manchmal wurde die Wut über die andere Partei auch dem Mediator erzählt und die anwesende Gegenpartei in der dritten Person angesprochen.

Und prompt richtete Frau Wotlow das Wort an mich: «Sehen Sie Herr von Klarau? Genau das meine ich. Verstehen Sie mich jetzt? Herr Lahr ist völlig uneinsichtig. Er merkt gar nicht, dass er alles nur noch schlimmer macht und unhaltbare Vorwürfe in’s Feld führt.».

Dies war nun die Gelegenheit, meinerseits zu intervenieren, da ich direkt angesprochen wurde. Ich konnte Frau Wotlow fragen, was sie so betroffen gemacht hatte oder was ihr in Bezug auf die Firma wirklich wichtig war. Meine Absicht war, das Gespräch in die Richtung ihrer Interessen, Wünsche und Bedürfnisse lenken.

Ich verpasste den Moment und meinen Einsatz.

«Sie wollten mich bereits am ersten Tag, als Sie hier das Ruder an sich gerissen haben aus der Firma werfen! Ihr Vater hat mich als Nachfolger für die Weiterführung der Geschäftstätigkeit der Firma Wotlow vorgesehen. Leider ist er gestorben, bevor er sein Testament anpassen konnte. Und er wusste auch, warum er Sie nicht in der Firma haben wollte! Wir sind eine Traditionsschreinerei und keine Schickimicki-Möbel-Manufaktur!“, knurrte Philipp Lahr.

Philipp Lahr bebte vor Wut: “Sie mit Ihren akademischen Ideen, Ihrem hochtrabendem Consulting-Gebrabbel von Effizienzsteigerung, Nischenmärkten und Unic-Selling-Propoirgendwas. Ihr Vater ahnte bereits damals, dass Ihre abstrusen Vorstellungen das Traditionsunternehmen an die Wand fahren würde. Ruinieren würden Sie das Familienunternehmen! Sie sind ja völlig realitätsfremd, Frau Wotlow, völlig realitätsfremd sag ich Ihnen! Und nur, weil Sie studiert haben, meinen Sie nun, Sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen. Zudem verbitte ich mir……“

Frau Wotlow unterbrach ihn hitzig: „ICH habe innovative Ideen, SIE haben antiquierte Vorstellungen. Haben Sie bemerkt, Sie Oberschlauschreiner, der das Geschäft ja so gut versteht, dass unser Marktanteil seit gut 10 Jahren kontinuierlich abgenommen hat? Was denken Sie, warum mein Vater seit längerem um die Existenz der Firma kämpfen musste? Wir sind kein Weltkonzern wie derjenige mit den vier Buchstaben, der aus Schweden kommt und Elche röhren lässt, Herr Möchtegern-Chef. Wir sind eine mittelständische Möbelschreinerei, die hier lokal verankert ist, und wir müssen uns Gedanken ums Überleben machen und das bedingt auch Einschnitte in unser heutiges Geschäftsmodell!“

„Geschäftsmodell?! Wenn ich das schon höre, wird mir schlecht! Können Sie nicht so sprechen, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist? Hören Sie sich mal selbst zu!“, brüllte Lahr.

Die Zwei kämpften mit harten Bandagen und ich liess sie vorerst gewähren. Die Energie musste erst verpuffen. Irgendwann würde sich Frau Wotlow oder Herr Lahr erneut an mich richten, mit einem weiteren: ‚Sehen Sie Herr von Klarau! Genau das meine ich‘. Wahrscheinlich nicht wortwörtlich aber sinngemäss. Dann würde ich wieder versuchen, dem Ganzen eine neue Richtung zu geben. Bis dahin hörte ich aufmerksam zu und erhielt dabei viele Informationen über die Befindlichkeiten der Parteien.

Ich hatte mich im Vorfeld über den Fall bzw. die Firma informiert. Zudem war dies bereits das zweite Gespräch. Im ersten Gespräch, das wir vor gut einer Woche geführt hatten, hatte ich Frau Wotlow und Herrn Lahr die Mediation und das Vorgehen erläutert. Beide hatten aufgrund der Bitte der restlichen Erbengemeinschaft eingewilligt, an einer Mediation teilzunehmen. Die erste Besprechung war zwar in einer eher unterkühlten Atmosphäre, jedoch grösstenteils ruhig verlaufen.

Die weiter zurückliegende Geschichte der Firma war für die Mediation nicht von wesentlicher Bedeutung. Gleichwohl war sie faszinierend. Wotlow war ein Unternehmen, das sich seit Generationen im Familienbesitz befand. Es war eine beeindruckende Firmengeschichte. Ich kannte nicht mehr viele Unternehmen in Granburg, die seit Generationen im Familienbesitz waren. Im vorliegenden Fall war nun ein Kampf um die Nachfolge entbrannt. Ich wusste aus dem Aktenstudium und aus Telefonaten, was in der Firma vorgefallen war. Die familiären Verhältnisse waren mir aus dem ersten Gespräch mit Frau Wotlow und Herr Lahr in groben Zügen bekannt.

Schon sieben Generationen der Wotlows kümmerten sich um den Fortbestand der Möbelschreinerei. Karl Wotlow stellte die siebte Generation, als er in den achtziger Jahren, die Schreinerei übernahm. Derzeit hatte sie knapp 15 Mitarbeitende und arg zu kämpfen in einem anspruchsvollen Markt. Nicht nur der von Frau Wotlow erwähnte Grosskonzern aus Schweden mit vier Buchstaben, auch das Do-it-Yourself der Baumärkte grub der Firma Wotlow das Wasser ab. Mehrfach in der Geschichte der Firma, konnte der Konkurs nur knapp abgewendet werden. Jedes Mal konnte der alte Wotlow das Ruder nochmals rumreissen.

Karl Wotlow hatte drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Genügend Optionen also, dass jemand die Familientradition weiterführen konnte. Unglücklicherweise starb der eine Sohn mit zwanzig bei einem Motorradunfall. Der zweite Sohn hatte zwar eine Schreinerlehre begonnen, diese jedoch abgebrochen und sich entschlossen, wieder zur Schule zu gehen und Medizin zu studieren. Dieser Sohn, Per, hatte sich während seiner Lehre im familieneigenen Betrieb mit seinem Vater zerstritten. Per, war mittlerweile 29 Jahre alt und stand kurz vor Abschluss seines Medizinstudiums. Er hatte nie mehr Interesse bekundet, das Unternehmen zu übernehmen, sehr zum Leidwesen seines Vaters Karl Wotlow.

Sabine Wotlow zeigte Freude an der Schreinerei und am Beruf. Nur hatte der alte Karl sich gewünscht, einer seiner Söhne hätte dieses Engagement. Sabine Wotlow hatte einen schweren Stand bei ihrem Vater. Sie wurde nie gleich behandelt oder vielmehr nicht für gleich fähig befunden, wie seine Söhne, einen solchen Schreinereibetrieb führen zu können. Nachdem sich ihr jüngerer Bruder, unter dem Einfluss des Vaters, schon früh für die Lehre im Familienbetrieb entschlossen hatte, war für Sabine Wotlow dieser Weg vorerst versperrt geblieben. Sie hatte stattdessen Betriebswirtschaft studiert und ihre Abschlussarbeit beschäftigte sich mit Marketingstrategien einer mittelständischen Schreinerei. Offensichtlich hatte der Vater diese Arbeit seiner Tochter auch gelesen und wie sein Schreinermeister Philipp Lahr, die Ideen als Verrücktheiten abgetan.

Sabine Wotlow war 34 Jahre alt, geschieden und alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit dem überraschenden Tod ihres Vaters, wollte Sabine Wotlow ihr im Studium und in einem Industrieunternehmen erworbenes Wissen in den Familienbetrieb einbringen. Von der familiären Erbengemeinschaft, bestehend aus ihrer Mutter, ihrem Bruder und ihr selbst, wurde sie auch als vorübergehende Geschäftsführerin eingesetzt.

Klaus Wotlow hinterliess ein Testament, das seine Kinder auf den Pflichtteil setzte und den Rest seiner Frau bedachte. Dieses Testament war vor 25 Jahren datiert, nichtsdestotrotz gültig. Da zählte auch nicht, dass die Belegschaft der Firma Wotlow die Aussagen von Philipp Lahr bestätigte, dass der alte Karl Wotlow in den letzten zwei Jahren Philipp Lahr als sein Nachfolger aufgebaut und ihm grosse Entscheidungskompetenzen zugeschanzte hatte.

Bitter enttäuscht äusserte sich Philipp Lahr in der Sitzung darüber, dass Karl Wotlow ihm dazumal versprach, ihn als Dank für die geleisteten Dienste, in einem neuen Testament zu berücksichtigen. Karl Wotlow hatte dies offenbar unterlassen oder keine Zeit gefunden, den Passus der Nachfolge in einem neuen Testament festzuhalten. Philipp Lahr äusserte in der Mediation sogar den Verdacht, dass sehr wohl eine aktualisierte Version des Testaments existieren könnte, aber gar nicht alle Betroffenen ein Interesse hätten, das ein solches überhaupt gefunden würde. Er rettete sich vor einer direkten Anschuldigung an die Adresse von Frau Wotlow damit, dass er erwähnte ›ohne jemand Bestimmtes im Kopf zu haben‹. Den Anwesenden war aber klar, was er damit sagen wollte. Entsprechend reagierte Frau Wotlow geharnischt und verbat sich eine solche Unterstellung.

Die ganze Situation war vor Wochen eskaliert, als Sabine Wotlow Philipp Lahr unterstellte, seine Kompetenzen beim Kauf einer Drechselmaschine überschritten zu haben. Philipp Lahr reagierte heftig. Er warf Sabine Wotlow vor, ihn aus dem Betrieb treiben zu wollen. Zum Eklat kam es im Unternehmen, als Frau Wotlow Philipp Lahr aus ‚wirtschaftlichen Gründen‘ kündigte, worauf er diese Kündigung anfocht.

Die Mutter und der Bruder von Sabine Wotlow überzeugten die zwei Streithähne, eine Mediation zu versuchen. Die Mutter war der Ansicht, dass ein gemeinsamer Nenner vorhanden war: Der Fortbestand des Unternehmens. Ob sich die Zwei wieder verstehen würden oder nicht, stand nicht im Zentrum. Eine gütliche Trennung konnte ein Lösungsweg sein. Auch dies konnte als erfolgreiche Mediation verstanden werden. Ob dies eine Option war, mussten jedoch Frau Wotlow und Herr Lahr, mit meiner Unterstützung, erst noch herausfinden.

Ich ahnte, dies würde eine harte Nuss zum Knacken. Bei Frau Wotlow und Herrn Lahr waren viele tiefgehenden Verletzungen im Spiel. Das war jedoch auch die Chance für eine Mediation.

Wenn beide Parteien erkannten, aus welchen Gründen – Verletzungen, Ängste, Hoffnungen – gewisse Reaktionen ausgelöst wurden, dann konnte dies ein wichtiger Schritt in Richtung gegenseitigem Verständnis sein.

„Das bringt doch alles nichts!“, sagte Herr Lahr und machte eine wegwischende Bewegung in Richtung Frau Wotlow.

„Das ist auch meine Meinung!“, erwiderte Frau Wotlow nüchtern.

Beide schwiegen.

Ich konnte es mir beinahe nicht verkneifen laut auszusprechen, dass sie wenigstens bei diesem Punkt offenbar gleicher Meinung waren.

Ich wollte die kurze Pause jedoch nutzen, das Gespräch in Richtung Interessen zu lenken.

„Herr Lahr, was liegt Ihnen in Bezug auf die Zukunft der Firma besonders am Herzen?“, ich schaute Herr Lahr an und wartete.

Es bestand aus meiner Sicht immer noch die Chance, dass gemeinsame Interessen, wie der Fortbestand des Unternehmens, von beiden Parteien geäussert wurden. Falls diese Vermutung der Mutter von Frau Wotlow zutraf, war es zumindest möglich, die Sachebene besser von der persönlichen Ebene zu trennen. Ich war zuversichtlich, die Mediation bei meinen zwei Klienten in diese Richtung lenken zu können. Die Lösungsoptionen würden sie schlussendlich selbst finden. Eine Mediation hatte oft auch mit Geduld zu tun. Geduld für den Prozess. Geduld mit den Parteien.

(Ende des 3. Teils).

Schweigen ist Gold

Spannende Mediations-Fälle von Klarau (2. Teil)

Mein Mediations-Kollege André Thommen hat die Idee aufgebracht, reale oder fiktive Mediations-Geschichten zu erzählen. Mit Hilfe von spannenden oder lustigen Geschichten könnte die Mediation und insbesondere die Wirtschaftsmediation einem breiteren Publikum nähergebracht werden. Mediation ist eine wunderbare Möglichkeit, Konflikte lösen zu helfen.

Die Basis meiner Geschichten bildet ein Kriminalroman, den ich 2012 unter dem Pseudonym ‚von Klarau‘ geschrieben habe. Der Hauptprotagonist im Roman ‚Schmuggelware‘ – Clement von Klarau – ist Mediator. Im Roman wird Clement ohne Zutun und Verschulden in ein Verbrechen verwickelt. Bei der Lösung des Falles helfen ihm seine Mediations-Fähigkeiten. Daneben geht er nach wie vor seiner Berufung und seinem Beruf als Mediator nach und hilft, Konfliktparteien ihre Auseinandersetzungen einvernehmlich zu lösen.

Aus der ersten Geschichte konnten die 5 Phasen einer Meditation herausgelesen werden. Im 2. Teil werden Sie weitere Protagonisten aus dem Roman kennenlernen. Sie werden diverse Mediations-Techniken im Einsatz erleben.

Ich hoffe, Sie haben ein wenig Spass beim Lesen der zweiten Episode und lernen dabei vielleicht etwas Neues über die Mediation, wie Mediatoren und Coaches denken und erfahren zudem das eine oder andere «Mediations-Geheimnis».

Hinweis: Da die Originale dieser Mediations-Geschichten in ein Buch eingebettet sind, kann es sein, dass einige Passagen auf Gegebenheiten, Orte oder Menschen hinweisen, die an anderer Stelle im Buch vorkommen. Entsprechend kann der Leser ein paar Details vermissen. Ich traue jedoch den Lesern zu, evtl. fehlende Elemente mit der eigenen Fantasie zu ergänzen.


Andreas Betschart


Handlung und Personen sind frei erfunden. Sollte es trotzdem Übereinstimmungen zu lebenden oder verblichenen Personen geben, so würden diese auf jenen Zufällen beruhen, die das Leben so vorgesehen hat.


„Die Kirche sagt, du sollst deinen Nächsten lieben.
Ich bin überzeugt, dass sie meinen Nachbarn nicht kennt“

— Peter Ustinov – 1921 – 2004, engl. Schriftsteller u. Schauspieler

Als Felicia und ich vor bald zwanzig Jahren heirateten, nahm ich ohne zu zögern den Namen meiner Frau an. Clement von Klarau hatte in meinen Ohren einen wohlklingenden Klang. Und es stand eh nie zur Debatte, dass Felicia ihren Familiennamen ablegen würde. Das waren wir auch eventuellen Nachkommen geschuldet, obwohl ich Felica erläutert hatte, dass ich keine Kinder wollte.

Zudem gefiel ich mir zugegebenermassen auch in der Rolle als Lehnsherr. Felicia gab mir nie zu spüren, dass ich kein Geborener von Klarau war.

Ganz anders mein Schwiegervater Paul.

Ich glaube, Paul hatte nicht persönlich etwas gegen mich. Jeder, der seine Tochter geheiratet hätte, wäre seiner Anfeindung ausgesetzt gewesen.

Paul und ich gaben uns seit Jahren Saures.

Wir waren zudem beide nicht auf den Mund gefallen, was zu entsprechend längeren Schlagabtauschen führen konnte.

Über die Jahre hatten wir unseren Kampf perfektioniert. Wir befanden uns über alles gesehen in einer Pattsituation.

Wenn ich ehrlich war, genoss ich auch unser Spiel und hätte ungern drauf verzichtet. Paul ging es sicher gleich. Nicht, dass wir das je zugegeben hätten.

Felicia hatte uns jedoch schon lange durchschaut und unterstützte jeweils immer einen von uns tatkräftig und sorgte so dafür, dass der ‚Konflikt‘ weiterschwelte. Dabei war sie unberechenbar. Keiner von uns konnte auf ihre Hilfe zählen. Sie konnte sowohl denjenigen von uns unterstützen, der gerade unter die Räder kam oder ihn auch gleich komplett Knock-out setzen.

Ich war 46 Jahre jung, fand mich attraktiv, smart, intelligent und ein wenig eingebildet.

Ich hatte vor Jahren meinen Beruf als IT-Software-Entwickler in einer Bank an den Nagel gehängt. Das war einer der Vorteile, in eine reiche Familie einzuheiraten: Arbeiten musste ich nicht mehr.

Ich hatte nie Mühe mit der Situation, dass meine Frau mehr Geld hatte. Mein Selbstwertgefühl war sehr ausgeprägt.

Untätig war ich jedoch nicht und wollte ich auch nicht sein. Dolce far niente war noch nie mein Ding gewesen.

Ich hatte mich weitergebildet und mich auf Mediationen spezialisiert, sowohl auf Wirtschafts- als auch Familienmediationen. Dabei verdiente ich auch gutes Geld und lag Felicia nicht auf der Tasche. Ich achtete auf regelmässige Arbeitszeiten: Montag bis Donnerstag ‚nine to five‘, was ich immer mal wieder gerne erwähnte, wenn ich meine ehemaligen Arbeitskollegen traf.

In der Mediation konzentrierte ich mich je länger je mehr auch auf Fälle, sprich Konflikte, mit nachbarschaftlichem oder familiärem Hintergrund. Dabei kam es nicht selten vor, dass ich meinen Stundenlohn stark reduzierte, wenn ich sah, dass beide Parteien finanziell nicht gerade gesegnet waren. Ganz verzichtete ich jedoch nie auf ein Entgelt, und wenn ich auf einen grösseren Teil verzichtete, so gab ich das erst bekannt, wenn die Mediation vor einem Abschluss stand.

Ich war der Ansicht, dass eine Bezahlung meiner Mediationstätigkeit immer gerechtfertigt war. Ich war kein Altruist und machte das nicht nur aus Menschenliebe. Zudem wurden die Parteien angehalten, den Mediationsprozess auch mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Konzentration anzugehen. Es war ja ihr Geld. So platt das auch tönte: Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass wenn die Mediation gar nichts kostete, auch der Wert dementsprechend geringer betrachtet wurde.

Für den Ort der Durchführung einer Mediation hatte ich eine eiserne Regel: Mediationen fanden nur bei mir zuhause statt.

Dazu nutzte ich das Kaminzimmer.

Das brachte mit sich, dass ich auch nicht alle Fälle zugesprochen bekam. Gerade in der Wirtschaftsmediation, wenn es um den Konflikt zweier Unternehmen oder auch innerbetrieblicher Konflikte ging, waren mitunter die Örtlichkeiten der Gespräche eine heikle Angelegenheit.

So konnte es sein, dass eine Partei aus Granburg sich sehr wohl für die Durchführung der Gespräche in meinem Haus aussprechen konnte, jedoch z.B. eine Partei der Stadt Moltenberg, die 20km entfernt im Bezirk Weiningel ihren Sitz hatte, dies schon als parteiisch empfand. Ich fackelte bei solchen Querelen nicht lange: Vogel friss oder stirb war hier mein Motto.

Ich betrieb Mediation seit fünf Jahren. Die meisten Mediationen hatte zur Zufriedenheit der Parteien gelöst. Ich hatte aber auch Misserfolge.

Bezeichnend war, dass ich den eigenen Konflikt mit meinem Schwiegervater Paul nicht lösen konnte, wobei wahrscheinlich auch kein wirklicher Handlungsbedarf bestand. Dieser Konflikt war da, um gelebt zu werden.

Neben der Mediation war ich auch im Täter-Opfer-Ausgleich tätig. Hier kam die Initiative jeweils immer von der Staatsanwaltschaft oder von einem Gericht aus. Dabei stand die Wiedergutmachung einer Tat durch den Täter gegenüber dem Opfer im Zentrum. Der Täter hatte dabei erhebliche persönliche Leistungen zu erbringen oder Entschädigung zu leisten. Verfahrenstechnisch gab es viele Parallelen zur Mediation. Der Beginn war jedoch anders, so führte ich immer getrennte Vorgespräche durch, bevor ich die Parteien bei mir zu Gesprächen zusammenführte.

In der Tätigkeit als Mediator hatte ich meine Berufung gefunden. Ich hatte Spass an der Mediation und freute mich, wenn ich die Konfliktparteien so weit brachte, dass sie selbst gangbare und für alle Seiten tragbare Lösungen entwickelten.

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Es war 10.15 Uhr und mein Schwiegervater Paul hatte Frau Nassauer und Herr Assgauer Punkt 10.00 Uhr an der Haustüre empfangen und in das Kaminzimmer geführt.

Beim ersten Besuch der zwei Kontrahenten vor ein paar Tagen, hatte Paul noch alle seine schauspielerischen Fähigkeiten eingesetzt. Bei seinem Kotau hatte sein Kopf beinahe das Parkett berührt. Das Verhalten von Paul hatte bei Frau Nassauer und Herr Assgauer zu grosser Verwirrung geführt. Ich vermutete, sie fühlten sich auch ein wenig eingeschüchtert. Paul hatte bestimmt seinen Spass.

Ich musste mich konzentrieren, damit ich die beiden Nachnamen der Klienten nicht vertauschte. Herr Assgauer und Frau Nassauer. Eine falsche Anrede wäre zur Beilegung des Konfliktes von Frau Nassauer und Herrn Assgauer nicht förderlich gewesen.

Herr Assgauer hatte ein leicht herzförmiges Gesicht, also stellte ich mir eine Spielkarte mit dem Herz-Ass vor. Ass für Assgauer.

Frau Nassauer hatte leichte Anzeichen von Tränensäcken unter den Augen und ich kombinierte das mit ‚Nass‘. Also Nass für Nassauer.

Et voilà. Eine altbekannte Technik, damit ich mir mit Hilfe von Bildern, die entsprechenden Gesichter und Namen merken konnte.

Ich legte grossen Wert auf eine profunde Vorbereitung und Organisation einer Mediation. Dazu gehörte auch, fallspezifisch zu entscheiden, welches die beste Sitzordnung war. Ich überlegte mir, welche Sitzgelegenheiten ich im Kaminzimmer für die Mediation nutzen wollte.

Eine Mediation musste nicht zwingend an meinem Schreibtisch stattfinden. Ich hatte die Möglichkeit die Gespräche auf dem Sofa oder am runden Tisch durchzuführen. Ich hatte auch schon auf die Nutzung eines Tisches verzichtet. Die meisten Menschen hatten jedoch das Bedürfnis, sich an einem Tisch ›festzuhalten‹. Das gab ihnen Sicherheit und Halt. Viele Klienten schätzten es zudem, dass ein unverrückbarer Gegenstand zwischen ihnen und ihren ›Kontrahenten‹ stand. Ich liess mich bei der Entscheidung für den genauen Ort für die Durchführung der Gespräche jeweils von meinem Bauchgefühl leiten. Der erste Eindruck der Personen war dabei relevant. Diesen Eindruck gewann ich bereits bei der Begrüssung. Ich beobachtete sehr genau, wie sich die Klienten zueinander und gegenüber mir verhielten.

Meistens entschied ich mich für den runden Tisch. Die Erfahrung hatte mich gelehrt, dass die Parteien ein Gespräch an einem runden Tisch oft entspannter führten, als dies bei einem eckigen Tisch der Fall war. Das hörte sich banal an, war aber auch eines der Puzzleteile einer erfolgreichen Mediation. Die Parteien hatten bei einem runden Tisch die Möglichkeit ihr Position leicht zu verändern, wodurch sie sich nicht frontal gegenübersassen. Das konnte hilfreich sein. Bei einem runden Tisch rückte auch meine Rolle nicht ganz so stark ins Zentrum, wie wenn ich die Gespräche von meinem Schreibtisch aus führte. An einem runden Tisch war ich buchstäblich ein Teil der Runde. Es gab jedoch Ausnahmen. Ich hatte sehr wohl schon mitten in Gesprächen, die wir am runden Tisch begonnen hatten, zum Schreibtisch gewechselt. Dies verschaffte mir eine bessere Position bei Streithähnen, die eine ’starke Hand›, zumindest zu Beginn einer Mediation, benötigten.

Bei den Parteien Assgauer und Nassauer ahnte ich, dass ich eine solche Rolle einnehmen musste und hatte mich für den Schreibtisch entschieden. Die Parteien sassen mir gegenüber.

«Sie haben gut reden, Sie sind ja nicht in der Situation!“, hörte ich Barbara Nassauer sagen. Sie hatte recht. Es war jedoch für ein Weiterkommen in der Mediation notwendig, dass sie wenigstens versuchte, die vertrackte Situation mit Herrn Assgauer von einer anderen Warte aus zu betrachten. Ich entnahm dem Tonfall und ihrer Haltung während des Gesprächsverlaufs, dass sie sehr wohl an einer einvernehmlichen Lösung interessiert war. Dies traf auch auf die Gegenseite von Barbara Nassauer zu. Franz Assgauer, mit dem ich Minuten vorher einen ähnlichen Dialog geführt hatte, war bereit gewesen, sehr offen über seine Wahrnehmung und Gefühle zu sprechen. Er hatte treffend seine unnachgiebige Haltung gegenüber Frau Nassauer und die Auslöser, die dazu geführt hatten, beschrieben.

Ich hatte bei den Ausführungen von Herrn Assgauer die Reaktionen von Barbara Nassauer beobachtet und festgestellt, dass sich ihr Gesichtsausdruck von absoluter Ablehnung und Verschlossenheit, zu Interesse gewandelt hatte. Sie lauschte den Äusserungen von Herrn Assgauer interessiert. Das war auch der Moment, bei dem ich ihr den Ball zuspielte, der ihr ermöglichte, das Gehörte zu reflektieren.

„Frau Nassauer, was meinen Sie? Sind Sie dabei, mit mir mal etwas zu versuchen? So wie ich Sie während der Mediation kennengelernt habe, machen Sie bestimmt mit.“

Sie schaute überrascht und neugierig. Ich fuhr fort: „Stellen Sie sich vor, sie können in Gedanken allen Ärger und die erfahrene Kränkung beiseitelegen. Wenn Sie sagen ‚einfacher gesagt als getan‘, dann haben Sie recht. Daher machen wir es so. Versetzen Sie sich mal in meine Position.“ Barbara Nassauer machte grosse Augen und hatte noch keine Ahnung, worauf ich hinauswollte. „Stellen Sie sich einfach mal vor, Sie sind der Mediator und sitzen auf meinem Stuhl. Sie betrachten von meiner Warte aus Herrn Assgauer und sich selbst. Versuchen Sie es mal. Funktioniert es?»

Sie schaute skeptisch: «Nun, mehr oder minder kann ich mir das vorstellen. Aber was soll das bezwecken?»

Ich erläuterte: «Sie sehen also wie Sie im schwarzen Sessel, an meinem Platz sitzen. Die Hände auf dem Schoss gefaltet. Können Sie sich das Bild vorstellen?“ Barbara Nassauers Gesichtsausdruck veränderte sich. Ich sah, wie sie sich anstrengte, sich in meine Position zu versetzen.

Sie erwiderte konzentriert: „O.k. ja, ich denke schon.“

Ich fuhr fort: „Sie sitzen also auf meinem Stuhl. Sehen Sie sich selbst?“

„Ja, doch.“

„Beschreiben Sie mal, wie Sie die Haltung und Stimmung von Frau Nassauer beschreiben würden, wenn Sie den bisherigen Verlauf Revue passieren lassen?“

Ich versuchte die Bereitschaft bei Barbara Nassauer zu steigern, ihre eigene Position und ihr Verhalten zu hinterfragen. Erst daraus konnte ein Verständnis auch für das Verhalten der Gegenseite entstehen. Es war eine Einstellungsänderung gefordert. Dabei ging es mir erst mal darum, dass Barbara Nassauer ihre derzeit einzige Sichtweise durchbrach oder erweiterte. Das war leicht gefordert und schwer umzusetzen. Dieser durch mich initiierte und angeleitete Perspektivenwechsel und Rollentausch funktionierte nicht immer und ich war auch vorsichtig bei dessen Anwendung. Nicht alle Menschen konnten solche Gedankenspiele nachvollziehen, da die entsprechende Person über zwei Ecken denken mussten. In diesem Falle musste sich Frau Nassauer in meine Position begeben und sich dann selbst aus meiner Optik beschreiben. Bei Barbara Nassauer war ich jedoch überzeugt, dass sie genug Vorstellungskraft aufbrachte, dies zu bewerkstelligen.

Da Konflikte von Kränkungen und Ärger geprägt waren, konnten die Parteien jeweils ihre Positionen nicht auf die Schnelle verlassen. „Ich mache sicher nicht den ersten Schritt!“ oder ähnlich Aussagen deuteten jedoch schon darauf hin, dass eine Grundbereitschaft da war, überhaupt einen Schritt hin zu einer gemeinsamen Lösung zu machen. Oft standen sich die Leute jedoch selbst im Wege und wollten ihr Gesicht nicht verlieren. Sie wollten nicht als diejenigen dastehen, die zu schnell nachgegeben hatten. Das konnte aus ihrer Sicht als Schwäche ausgelegt werden und ihre Verhandlungsposition unterminieren. Noch schlimmer, viele Leute hatten Bedenken, der Gegenseite dabei sogar zusätzliche Munition zu liefern. In solchen Situationen bot ich mit dem Rollentausch den Parteien eine Möglichkeit, gesichtswahrend und unverbindlich Gefühle oder auch schon Optionen anzusprechen. Mir gegenüber als neutrale Partei konnten sie sogar ihre Haltungen und Lösungsideen frei formulieren auch oder gerade, wenn die andere Partei im Raum anwesend war.

Frau Nassauer beschrieb treffend und wortreich, wie sie sich selbst sah und fühlte. Sie erwähnte ihren Ärger und ihre Wut und insbesondere auch die Trauer über ihre Pflanzen. Später, als sie die Aussagen von Herrn Assgauer hörte, beschrieb sie, wie sie sich selbst sah: Betroffen und überrascht von den Schilderungen ihres Nachbarn. Sie liess auch durchblicken, dass sie in gewissen Punkten vielleicht zu voreilige Schlüsse gezogen hatte.

Franz Assgauer hatte uns über seine Haltung aufgeklärt und somit den ersten Schritt gemacht: „Wissen Sie Herr von Klarau, ich war total gekränkt von der Art, wie Frau Nassauer von mir eine Entschädigung forderte. Ich wäre ja bereit gewesen, ihr auch etwas zu zahlen, wenn sie zugeben hätte, dass sie sich im Ton und der Art vergriffen hatte. Aber nein. Sie hat mich runtergeputzt. Sie müssen doch zugeben, da ist es verständlich, dass ich auf stur schalte. Klar, eventuell habe ich ein wenig überreagiert, kann schon sein. Aber das auch nur, weil Frau Nassauer mir dann auch noch mit der Polizei und Sonstigem gedroht hat.“ Aus Erfahrung kam die Mediation mit solchen oder ähnlichen Aussagen einen gewaltigen Schritt vorwärts. Das waren genau die Schlüsselmomente, auf die wir hinarbeiten mussten. Solche Aussagen ermöglichten, die verhärteten Sichten aufzuweichen. Ich konnte es höchstens noch verpfuschen.

Ich stellte fest, dass Barbara Nassauer Franz Assgauer interessiert zugehört hatte und es war offenkundig, dass sie über das Gehörte nachdachte. Sie verband die Aussage von Franz Assgauer mit ihrer Wahrnehmung des Erlebten. Sie erkannte, dass auch ihr Verhalten eine Reaktion bei der Gegenpartei, in Person von Herrn Franz Assgauer, ausgelöst hatte.

Meine Aufgabe war nun, dass diese Erkenntnisse bestätigt wurden und sich setzten. Dazu paraphrasierte ich die Aussage von Franz Assgauer: „Habe ich Sie richtig verstanden Herr Assgauer, dass Sie sich durch die Art und Weise, wie Frau Nassauer Ihnen gegenüber die Forderung gestellt hatte, gekränkt fühlten?“ Dabei betonte ich die ‚Art und Weise‘ leicht und schaute bei der Nennung von Barbara Nassauer diese auch kurz an. Ich nutzte auch das Wort ›fühlen‹, da damit kein vermeintlicher Fakt ausgesprochen wurde, der unterschiedlich beurteilt werden konnte. Gefühle waren individuell und jeder akzeptierte, dass diese persönlich und somit ›wahr‹ waren. Eine solche, subtile Vorgehensweise war entscheidend in einer Mediation. Die Leute mussten beginnen darüber zu sprechen, was genau sie aufgewühlt hatte. Die Gegenpartei hatte dann die Möglichkeit, sich wiederum in das Gegenüber zu versetzen.

Ich sprach Herrn Assgauer an: „Sie haben dann erwähnt, dass sie eventuell ein wenig überreagiert haben, als Frau Nassauer sogar mit der Polizei drohte.» Ich formulierte dies als Feststellung und liess die Aussage jedoch wie eine Frage ausklingen. Franz Assgauer nickte bestätigend. Er fühlte sich von mir verstanden.

„Das habe ich doch gar nicht so ernst gemeint“, beschwichtigt Frau Nassauer. „Ich habe mich einfach so geärgert, dass sie mir die Türe vor der Nase zugeschlagen haben. Das war nicht die feine Art.“

„Das gebe ich zu, ist wirklich nicht ein feines Verhalten, ist auch sonst nicht meine Art, anderen Leuten die Türe vor der Nase zuzuschlagen“, erwiderte Herr Assgauer, „aber Sie haben an meiner Tür geklingelt und mir dann, ohne guten Tag zu sagen, an den Kopf geworfen, dass ich Ihre Blumen ertränkt hätte. Ich war nur baff. Dann haben Sie verlangt, dass ich den Fernseher abstellen sollte, den ich im Hintergrund laufen liess, während wir an der Türe sprachen. Das fand ich eine Zumutung. Ich war nämlich gerade am Schauen des Champions-League Halbfinal-Spiels zwischen Chelsea und Liverpool. Und trotzdem bin ich an die Türe gekommen.»

«Darum hat das so lange gedauert, bis Sie die Türe geöffnet haben», sagte Frau Nassauer, «ich dachte, Sie wollten einfach nicht mit mir sprechen, weil Sie ein schlechtes Gewissen hatten.»

«Wie hätte ich denn wissen können, dass Sie es sind Frau Nassauer?», erwiderte Herr Assgauer, «zudem habe ich mich eh darüber geärgert, dass überhaupt jemand während dieses wichtigen Fussballspiels an der Türe läutet. Habe dann auch ein wenig länger gewartet. Sie haben aber auch nicht aufgehört zu läuten, Frau Nassauer.“

„Ich habe eben den Fernseher gehört und gewusst, dass Sie anwesend sind“, warf Frau Nassauer dazwischen.

„Wie dem auch sei, ich bin ja an die Türe gekommen. Sie haben dann, ohne richtig Hallo zu sagen, begonnen mich zurechtzuweisen. Ob ich eine gute Kinderstube gehabt hätte, ob es normal sei, dass ich den Fernseher laufen liesse, wenn ich mich mit Leuten unterhalte. Ob ich die Pflanzen willentlich getötet hätte. Ich war echt perplex. Dann haben Sie mir eine ihrer Zimmerpflanzen entgegengestreckt und mir vorgeworfen, dass ich diese – und andere ihrer Art – während meines gutnachbarschaftlichen Zimmerpflanzengiessdienstes bei Ihnen ertränkte hätte.“

„Ich habe mich eben total aufgeregt, ich hänge sehr an meinen Pflanzen“ erwiderte Frau Nassauer kleinlaut. „Und da komme ich nach zwei Wochen aus meinen Ferien zurück, die eh schon völlig verregnet waren, freue mich auf meine Pflanzen und alle sind tot. Ertränkt durch Sie, wie ich dann schnell festgestellt hatte.“

„Ich weiss doch, dass Sie an ihren Pflanzen hängen, Frau Nassauer. Darum habe ich mich ja vor Ihren Ferien auch sofort bereiterklärt, diese während Ihrer Abwesenheit zu giessen. Habe es wirklich nur gut gemeint. Ich war der Ansicht, die bräuchten einfach mehr Wasser. Aber dass Sie mich dann so zur Schnecke machen, war zu viel. Sie haben begonnen meine Kinderstube zu erwähnen, die – wohlgemerkt – geprägt war von einem sehr autoritären Erziehungsstil meines Vaters. Mein Vater hat mir einwandfreie Manieren eingebläut, glauben Sie mir. Und in diesem Moment kommen Sie und erinnern mich an meine Kinderstube. Das hat mich dann doch sehr getroffen. Dabei hatte ich wirklich Freude, dass ich Ihnen mit dem Pflanzengiessen vermeintlich eine Freude habe machen können.“

„Oh, die Aussage mit der Kinderstube tut mir leid. Ich war Ihnen ja auch sehr dankbar, dass Sie das mit dem Blumengiessen übernommen haben. Heute ist es ja zum Teil schwer, nette und hilfsbereite Nachbarn zu haben. Jeder ist für sich alleine. Kontakte werden vermieden. Ich finde das schade, mache aber zugegebenermassen auch wenig, um das in meinem Umfeld zu ändern. Ist eigentlich kein Wunder, dass sich Nachbarn nicht mehr helfen. Wir hatten ja bis anhin auch wenig Kontakt. Da meine Kinder zur gleichen Zeit wie ich in den Ferien weilten, hatte ich leider niemanden aus der Familie, der das Pflanzengiessen für die zwei Wochen übernehmen konnte. Daher habe ich Sie gefragt. Sie wohnen ja auf der gleichen Etage wie ich, gleich gegenüber, daher dachte ich einfach …“, sie zögerte.

„Wie gesagt Frau Nassauer, ich fand es toll, dass sie mich gefragt haben. Wir leben ja auch schon fünf Jahre Tür an Tür …“

„Sechs“, unterbrach ihn Frau Nassauer.

„Ah, sechs Jahre… Auf alle Fälle hatten wir während dieser sechs Jahre kaum Kontakt. Hat vielleicht mal für ,guten Morgen‘ und ‚guten Abend‘ gereicht. Sonst haben wir, denke ich, kein Wort gewechselt. Ich habe nicht so viel Kontakt mit anderen Leuten und ich gebe zu, dass ich einfach Freude hatte, dass ich jemanden, Ihnen, helfen durfte. Seit ich pensioniert bin, werde ich nicht mehr von vielen um Rat angefragt, geschweige denn gebeten, bei irgendwas zu helfen.“

„Tut mir leid“, sagte Frau Nassauer bedrückt, „ich wollte Sie nicht kränken Herr Assgauer, ich kann ahnen, wie sich das anfühlt, wenn man alleine ist. Ich habe zwar das Glück, dass mein Sohn und meine Tochter mich regelmässig besuchen kommen, aber seit mein Mann gestorben ist, sind die Tage deutlich länger geworden. Tut mir leid, wenn ich das erwähne, aber ich habe auch festgestellt, dass Sie selbst fast nie Besuch bekommen. Das Haus ist ja doch sehr ringhörig“, sagte sie mit einem verschämten Blick nach unten, als ob sie gerade beim Lauschen ertappt worden wäre.

Es trat von beiden Seiten betretenes Schweigen ein. Ich hatte die ganze Zeit nur zugehört und nicht eingegriffen. Beide schauten mich gleichzeitig an und ihre Blicke fragten mich ›und nun, Herr von Klarau, wie geht es weiter?‹

„Frau Nassauer, Herr Assgauer, ich muss nicht nochmals alles zusammenfassen. Sie Frau Nassauer haben verstanden, warum Herr Assgauer so reagiert hat und Sie Herr Assgauer können ebenfalls die Reaktion von Frau Nassauer nachvollziehen“. Beide nickten und schauten sichtlich betreten.

„Gut“, fuhr ich weiter, „Ich danke Ihnen beiden sehr, dass sie so offen und ehrlich über das gesprochen haben, was Sie bewegt. Das haben Sie wirklich gut gemacht.“ Ich machte eine Pause.

„Nun, Frau Nassauer, was das ursprüngliche Streitobjekt, nämlich der Ersatz Ihrer Pflanzen respektive die Wiedergutmachung betrifft …“ setzte ich bewusst langsam an.

„Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die Pflanzen ersetzen könnte“, sagte Herr Assgauer schnell, bevor Frau Nassauer was sagen konnte.

„Frau Nassauer, was sagen Sie dazu?», fragte ich.

Meine Rolle beschränkte sich nun nur noch darauf, als Vermittler für die abschliessenden ‚Verhandlungen‘ zwischen Frau Nassauer und Herrn Assgauer zu fungieren. Ich wollte sicherzustellen, dass konkrete nächste Schritte und Massnahmen vereinbart wurden. Auch wenn das im vorliegenden Falle nicht mal im Zentrum stand. Ich beendete jedoch keine Mediation, wenn nicht konkrete Massnahmen vereinbart wurden. Es war auch in diesem Falle nicht damit getan, nur zu quittieren, dass sich zwei gefunden hatten. Ich konnte nicht davon ausgehen, dass die zwei, zwar an Erkenntnis reicheren Klienten, ohne weiteren Anschub den Rest hinkriegten. Die Basis war stabil, ich wollte jedoch zur Resultatssicherung, Frau Nassauer und Herr Assgauer dazu bringen, auch konkrete nächste Schritte einzuleiten.

„Ich nehme das Angebot von Herrn Assgauer gerne an“, sagte Frau Nassauer immer noch zu mir gerichtet.

„Und wie stellen Sie sich das genau vor?“, fragte ich, ohne jemanden Speziellen damit anzusprechen.

„Nun, Sie sagen mir, wie viel die neuen Pflanzen kosten und ich gebe Ihnen das Geld“, sagte Herr Assgauer direkt zu Frau Nassauer gerichtet. Frau Nassauer runzelte die Stirn.

„Was wären Alternativen?», fragte ich Herrn Assgauer, der sehr wohl auch das leichte Stirnrunzeln von Frau Nassauer bemerkt hatte. So ergänzte er rasch „Ich könnte Sie auch bei einem Pflanzenkauf begleiten, wenn Sie möchten. Ich meine nur, wenn Sie das nicht stört“, präzisierte er hastig, um ja keinen falschen Eindruck zu hinterlassen. «Ich meine sonst ist das ja so unpersönlich.».

„Gut, was wäre sonst noch denkbar? Was meinen Sie Frau Nassauer?“ fragte ich.

„Also ich finde das mit dem gemeinsamen Pflanzenkauf eine gute Idee. Wenn Sie mir einfach nur das Geld geben Herr Assgauer, empfinde ich das doch eher als Geringschätzung“, ergänzte sie.

Ich wiederholte meine vorhergehende Frage „Sehen Sie neben dem gemeinsamen Pflanzenkauf noch andere Möglichkeiten?“

Frau Nassauer dachte nach: „Ich weiss ja nicht, ob das eine gute Idee ist, aber Herr Assgauer könnte mich ja auch zum Essen einladen. Also, ich muss noch ergänzen, dass ich noch gar nicht weiss, ob ich das überhaupt möchte», sagte sie schnell. «Sie Herr von Klarau haben mich aber nach Ideen gefragt“, sagte sie beinahe entschuldigend.

„Da haben Sie recht Frau Nassauer, ich habe Sie beide tatsächlich gebeten, einfach mal Ihre Ideen zu äussern. Sie können gemeinsam festlegen, welche Ideen Sie beide weiterverfolgen und welche Sie verwerfen», erwiderte ich. „Und was sagen Sie Herr Assgauer?“

Herr Assgauer konnte seine Begeisterung nicht verhehlen: „Also ich gebe zu, ich finde das eine tolle Idee. Ich würde Sie gerne zu einem Abendessen in ein nettes Restaurant einladen, Frau Nassauer. Dann komme ich auch wieder mal unter Leute und Sie können sich freuen, dass Ihr komischer Nachbar sozusagen mal zu Besuch bekommt“.

Er lächelte scheu.

„Gut und was ist Ihr Beitrag Frau Nassauer?“, fragte ich unvermittelt.

„Mein Beitrag?“, fragte die Angesprochene verwundert zurück.

„Nun ja, wahrscheinlich ersetzt Ihnen Herr Assgauer die Pflanzen, sicher jedoch lädt er Sie zu einem guten Essen ein. Und was machen Sie?“

„Ähm…nun…“, sie verstand. „Tja, ich kann nicht viel mehr anbieten, als meine Entschuldigung, dass ich überreagiert habe“, sagte sie in meine Richtung. Ich nickte fast unmerklich mit dem Kopf in Richtung von Herrn Assgauer.

„Also…ähm…Herr Assgauer“, räusperte sich Frau Nassauer.

„Ist nicht notwendig!“, erwiderte dieser schnell.

„Doch ist es!“, sagte sie bestimmt. «Herr von Klarau hat absolut recht, dass er mich darauf aufmerksam macht. Ich möchte mich, nein ich möchte nicht nur, sondern ich entschuldige mich bei Ihnen für meine rüden Worte über Ihre Kinderstube und dass ich Ihnen unterstellt habe, meine Pflanzen absichtlich getötet zu haben. Das war nicht nett von mir und ich danke Ihnen im Nachhinein, dass Sie zumindest versucht haben, meine Pflanzen zu giessen.“

Ich musste mir ein Lachen über die letzte Aussage verkneifen.

„Ich nehme Ihre Entschuldigung gerne an Frau Nassauer“, sagte Herr Assgauer.

Der Rest waren nur noch Formalitäten. Ich fasste alles nochmals zusammen und bot ihnen entsprechende Unterstützung an, falls sie nochmals meine Hilfe wünschten. Ich erklärte ihnen auf Rückfrage von Herrn Assgauer, dass ich ihnen die Rechnung wie vereinbart zu gleichen Teilen in den nächsten Tagen zustellen würde.

Es war kurz vor zwölf, als ich die beiden zur Türe begleitete. Hand in Hand verliessen die beiden das Haus nicht, zumindest noch nicht. Ich hatte mich gegen Schluss der Mediation eher wie ein Kuppler gefühlt. Wahrscheinlich hatte ich wieder mal meine eigenen Grundsätze nicht ganz eingehalten. Ich hatte die Geschicke so gelenkt, wie ich es für gut befunden hatte. Ein schlechtes Gewissen hatte ich deswegen keines.

Ich verabschiedete beide mit einem Händedruck. Frau Nassauer gab ich, wie es sich gehörte, zuerst die Hand.

Ich sagte: „Auf Wiedersehen Frau Assgauer», …und biss mir auf die Zunge.

(Ende des 2. Teils).

Spannende Mediations-Fälle von Klarau (1. Teil)

Mein Mediations-Kollege André Thommen hat die Idee aufgebracht, reale oder fiktive Mediations-Geschichten zu erzählen. Mit Hilfe von spannenden oder lustigen Geschichten könnte die Mediation und insbesondere die Wirtschaftsmediation einem breiteren Publikum nähergebracht werden. Mediation ist eine wunderbare Möglichkeit, Konflikte lösen zu helfen.

Die Basis meiner Geschichten bildet ein Kriminalroman, den ich 2012 unter dem Pseudonym ‚von Klarau‘ geschrieben habe. Der Hauptprotagonist im Roman ‚Schmuggelware‘ – Clement von Klarau – ist Mediator. Im Roman wird Clement ohne Zutun und Verschulden in ein Verbrechen verwickelt. Bei der Lösung des Falles helfen ihm seine Mediations-Fähigkeiten. Daneben geht er nach wie vor seiner Berufung und seinem Beruf als Mediator nach und hilft, Konfliktparteien ihre Auseinandersetzungen einvernehmlich zu lösen.

In diesem Artikel (und evtl. Folgeartikel, wenn diese Art der Erzählung auf positive Resonanz stösst), werde ich einzelne Mediations-Episoden und -Fälle aus dem Roman veröffentlichen.

Ich hoffe, Sie haben ein wenig Spass beim Lesen der ersten Episode und lernen dabei vielleicht etwas Neues über die Mediation, wie Mediatoren und Coaches denken und erfahren zudem das eine oder andere «Mediations-Geheimnis».

Hinweis: Da die Originale dieser Mediations-Geschichten in ein Buch eingebettet sind, kann es sein, dass einige Passagen auf Gegebenheiten, Orte oder Menschen hinweisen, die an anderer Stelle im Buch vorkommen. Entsprechend kann der Leser ein paar Details vermissen. Ich traue jedoch den Lesern zu, evtl. fehlende Elemente mit der eigenen Fantasie zu ergänzen.


Andreas Betschart


Handlung und Personen sind frei erfunden. Sollte es trotzdem Übereinstimmungen zu lebenden oder verblichenen Personen geben, so würden diese auf jenen Zufällen beruhen, die das Leben so vorgesehen hat.


„Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist, zu beobachten ohne zu bewerten“

— Jiddu Krishnamurti – 1895 – 1986, indischer Philosoph

«Frau Kalkbreite und Frau Veltinger, ist Ihnen so weit klar, was Sie von einer Mediation und von mir als Mediator erwarten können?“ Ich schaute abwechselnd die zwei Frauen an, die mit mir am runden Tisch sassen. Sie nickten beide gleichzeitig und schauten wieder auf das A3-Blatt auf dem Tisch, das ich vor ihnen hingelegt hatte. Anhand einer Skizze war ich dabei, ihnen den Ablauf der Mediation Schritt für Schritt zu erläutern.

Ich hatte den Ersten der fünf Schritte erklärt, die ich mit ihnen im Rahmen der Mediation durchgehen wollte.

„Sehr gut, ich erkläre Ihnen immer, bei welchem Schritt wir uns in der Mediation befinden und zögern Sie nicht mich zu fragen, wenn Ihnen was unklar erscheint.“

Ich deutete mit dem Zeigefinger auf den Schritt zwei, der als ‚Themen sammeln‘ beschrieben war: „In diesem Schritt gebe ich Ihnen die Gelegenheit, mir eine Beschreibung der aktuellen Konfliktsituation zu geben. Jede von Ihnen stellt IHRE Sicht der Situation dar. Sie sagen mir, was Sie hierherführt. Ich werde in diesem zweiten Schritt entsprechende Themen notieren, die Sie nennen. Anschliessend können wir diese Themen behandeln und diskutieren. Das können Sie in etwa so betrachten, wie wenn Sie ein grösseres Problem in Teilprobleme strukturieren. Diese Teilprobleme lassen sich dann einfacher lösen. Genau das versuchen wir zusammen. Wenn Sie so wollen, ist der Schritt zwei der Einstieg in die Mediation. Richtig los geht’s mit dem nächsten Schritt. Ich gebe Ihnen einen Überblick, Sie müssen nichts auswendig lernen, ich leite Sie immer Schritt für Schritt an.“

„Obwohl wir das schon alles gemacht haben?“, fragte Frau Kalkbreite. „Ich meine, wir wissen doch, wo das Problem liegt, Herr Klarau. Frau Veltinger ist das Problem!“

„Jetzt aber mal halblang Frau Kalkbreite“, erwiderte Frau Veltinger, „ICH bin sicher nicht das Problem, SIE haben sich immer dagegen gewehrt, Hand für eine einvernehmliche Lösung zu bieten.“

„Wir wissen doch genau, Frau Veltinger, wer hier wen angeschwärzt hat!“, sagte Frau Kalkbreite hitzig.

„Genau! SIE haben doch das Ganze so hingestellt, als ob es meine Schuld war. Sie sind zum Chef gerannt und haben ihm irgendeine Gemeinheit über mich erzählt!“, gab Frau Veltinger zurück.

„Da ist ja absolut absurd!“, lachte Frau Kalkbreite, „warum sollte ICH was Gemeines über Sie erzählen? Sie sind eh schon lange bei allen untendurch! Selbst der Chef weiss, dass Sie schlecht über andere sprechen!“

Die zwei Frauen waren Sachbearbeiterinnen in einem kleinen Bauunternehmen in Granburg. Beide waren langjährige Mitarbeiterinnen der Firma. Dem Unternehmen ging es nicht mehr so gut, die Auftragslage hatte sich kontinuierlich verschlechtert. Während der letzten Jahre wurde die Belegschaft stark reduziert. Demzufolge war die Stimmung im Unternehmen ziemlich schlecht.

Herr Bamberg, der Chef der zwei Damen, kontaktierte mich vor zwei Wochen und bat mich um Hilfe. Er erzählte mir, dass er zwei gut qualifizierte Sachbearbeiterinnen beschäftige, die sich seit einer Weile bekämpfen. Wahrscheinlich, weil auch sie Angst haben, ihren Job zu verlieren. Er versicherte den zwei Damen, dass sie keine Bedenken diesbezüglich haben müssen. Aber das wollten sie ihm nicht glauben. Er meinte, dass unter dem ständigen Gezänke nicht nur die Produktivität der Frauen leide, sondern diese Streitereien auch einen Teil der sonstigen Belegschaft negativ beeinflusse. Er legte ihnen nahe, sich endlich zusammenzureissen und ihre Streitigkeiten einzustellen. Das führte nicht zum Erfolg. Er dachte an die Möglichkeit einer Mediation und fragte die Frauen, ob sie bereit wären, eine solche durchzuführen. Nach meiner Rückfrage bestätigte mir Herr Bamberg, dass er die Frauen wohl eher zu einer Mediation verdonnert hatte.

«Wissen Sie Herr von Klarau, da kann ich nicht mehr ewig zuschauen. Entweder packen es Frau Veltinger und Frau Kalkbreite oder…tja…Sie wissen schon.»

Ich machte Herrn Bamberg darauf aufmerksam, dass die Mediation nur unter dem Aspekt der Freiwilligkeit stattfinden würde. Er solle die Frauen diesbezüglich nochmals fragen bzw. überzeugen. Ihm sei es ja offensichtlich ernst und diese Ernsthaftigkeit solle er auch den Frauen vermitteln. Ich sei gerne bereit zu helfen, falls sich die zwei Frauen für eine Mediation entscheiden. Herr Bamberg konnte die zwei Frauen überzeugen. Was mich in diesem Falle nicht wirklich wunderte: Mit der unausgesprochenen Drohung, dass sie den Job verlieren könnten, war der Entscheid wohl klar.

Die zwei Frauen warfen sich noch zwei drei Beschuldigungen und Beleidigungen an den Kopf, bevor ich sie unterbrach: „Frau Veltinger, Frau Kalkbreite?“

Beide hielten abrupt inne und schauten mich mit roten Köpfen an.

Ich wartete kurz und schaute sie bloss an.

Dann sagte ich: „Was meinen Sie? Sind sie auf diese Art und Weise einer Konfliktlösung einen Schritt nähergekommen?“

Keine der Frauen sagte ein Wort.

„Sehen Sie, dann lassen Sie uns doch versuchen, den von Ihnen gewählte Mediationspfad zu beschreiten. Vielleicht haben Sie beide mehr Erfolge damit, als mit den bisherigen Versuchen. Ist das für Sie in Ordnung? Sind sie dabei?“

„Na, richtig überzeugt bin ich ja nicht aber warum nicht“, sagte Frau Kalkbreite, deren Gesichtsfarbe sich bereits wieder normalisiert hatte, „es soll niemand sagen, ich hätte hier nicht mitgemacht“, dabei schaute sie böse zu Frau Veltinger hinüber.

„Für mich geht das in Ordnung“, sagte Frau Veltinger, „dafür sind wir ja hier.“

Sie schaute Frau Kalkbreite ebenfalls böse an und signalisierte: ‚ICH kooperiere, sehen Sie Herr Klarau? SIE ist diejenige, die immer zickt‘.

„Danke die Damen, dann erkläre ich Ihnen den wichtigsten und schwierigsten dritten Schritt in der Mediation. Sobald Sie die einzelnen Probleme separiert haben, die sich aus ihrer Optik zu lösen lohnen, geht es darum, die Beweggründe und Interessen zu erkennen.“

Ich richtete eine Frage an Frau Kalkbreite: „Kennen Sie alle Beweggründe für das derzeitige Verhalten ihres Gegenübers in ihrem Konflikt? Können Sie, Frau Kalkbreite, mit Sicherheit sagen, warum Frau Veltinger so reagiert?“

Ohne eine Antwort abzuwarten, richtete ich eine Frage an Frau Veltinger: „Und können Sie Frau Veltinger ebenso klar sagen, warum Frau Kalkbreite die Haltung und Position einnimmt? Wissen Sie, was Frau Kalkbreite beschäftigt?“

Ich wartete wiederum die Antwort nicht ab und fuhr fort: „Ich traue Ihnen beiden zu, dass Sie sich in die Situation Ihre Kollegin versetzen können. Sie werden erstaunt sein, was Sie alles während der Mediation erfahren. In dieser dritten Phase zeigt sich, ob es für Sie beide einen gemeinsamen Nenner gibt, auf dem Sie zusammen Lösungsvarianten erarbeiten können. Und Lösungsvarianten gibt es immer. Im Übrigen haben Sie nichts zu verlieren. Falls Sie zum Schluss kommen, dass Sie Ihren Konflikt durch eine ‹Trennung› lösen sollten, ist das auch eine Option. Ich lade Sie jedoch dazu ein, zumindest auch andere Möglichkeiten zu prüfen. Dieser dritte und intensivste Schritt nennt sich ‚Interessen erkunden‘. Was Sie dafür mitbringen müssen, ist lediglich ein wenig Neugier.“

Neugierig waren die meisten Menschen, dies zuzugeben, war jedoch eine andere Sache. Das war hier auch nicht notwendig. Alleine die Aussicht, dass bei der Mediation auch die Neugier befriedigt werden konnte, war ein Anreiz.

Ich machte eine Pause und fragte die zwei Frauen, ob ich ihnen noch Wasser nachschenken durfte, und wies sie nochmals darauf hin, dass sie sich gerne vom Gebäck auf dem Tisch bedienen durften.

Frau Veltinger schenkte ich Mineralwasser nach und Frau Kalkbreite nahm sich einen Keks.

Ich fuhr fort: „Wenn wir zusammen bis Schritt drei gekommen sind, und das wird voraussichtlich bei der nächsten Besprechung sein, werden wir, wie kann es anders sein, den Schritt vier einläuten.“

Ich zeigte wieder auf meine Zeichnung und deutete auf den nächsten Schritt, der mit ‚Lösungsvarianten‘ überschrieben war.

„Zu diesem Zeitpunkt werden Sie merken, dass nicht nur eine, sondern viele Ideen vorhanden sind, wie Sie die Probleme lösen könnten. Sie werden diese Lösungsvarianten miteinander diskutieren. Ich werde alles für Sie protokollieren. Sie entscheiden dann, was als mögliche Lösungs-Variante stehen bleibt und wegfällt. Das ist eine spannende Phase, glauben Sie mir.“

Meine Aufgabe in dieser Phase war, den Enthusiasmus der Parteien zu zügeln. Oft schwenkten die Parteien zu schnell auf die erste und vermeintlich einzige Lösung ein. Es lag dann an mir, sie zum Weiterdenken anzuregen. Denn wenn ich genug nachbohrte, kamen immer weitere Aspekte und Möglichkeiten zur Sprache. Das war dann jeweils der Moment, bei dem die Parteien spürten, dass es für sie sehr wohl akzeptable Lösungen gab.

Ich fuhr fort: „Der fünfte Schritt ist, wenn Sie so wollen, die Kür. Sie vereinbaren konkrete und verbindliche Massnahmen und ich helfe Ihnen, dass diese realisier- und umsetzbar sind. Je nach dem, werde ich für Sie auch eine schriftliche Vereinbarung aufsetzen.“

Ich schaute die zwei Frauen an und vergewisserte mich, dass sie mir folgten.

„Wie tönt das für Sie?“, fragte ich, „wollen Sie mit mir diese Schritte durchgehen?“

„Ich bin dabei“, sagte Frau Veltinger sofort.

„Auf alle Fälle tönt das Ganze zu gut, um wahr zu sein“, sagte Frau Kalkbreite skeptisch, „aber wie Frau Veltinger schon gesagt hat, darum sind wir ja auch hier, um das zu versuchen.“
„Sehr gut meine Damen, da haben Sie schon einen ersten Schritt in Richtung einer erfolgreichen Mediation gemacht, ich gratuliere Ihnen!“

Ich beantwortete den zwei Frauen noch ein paar Verfahrensfragen und dann ging es bereits ans Eingemachte. Ich wollte noch in dieser Besprechung die Themen sammeln und einzelne Problempunkte erörtern.

Beiden Frauen liess ich genügend Zeit, ihre Sicht des Konfliktes zu schildern. Ich sorgte dafür, dass Frau Veltinger Frau Kalkbreite jeweils nicht unterbrach, und gab Frau Veltinger den gleichen Raum als sie erzählte. Ich achtete mich darauf, dass die jeweilig andere Frau auch zuhörte und stellte nur dann gezielt eine Frage, wenn ich der Meinung war, dass sie helfen würde, die Sicht der Erzählenden besser zu verstehen. Beide erzählten unter anderem von ihren Ängsten und Befürchtungen beim Job und es war offensichtlich, dass die jeweilig andere sich gut in die Situation der Erzählenden versetzen konnte. Ich konnte dies an den betretenen Gesichtern erkennen. Es gab jedoch auch Sachthemen, bei welchen die Frauen nicht einer Meinung waren und diese notierte ich mir als Themen.

Wir befanden uns im zweiten Schritt, als die vereinbarte Zeit dieser ersten Besprechung abgelaufen war.

„Das ging ja schon sehr gut“, sagte ich. „Sie haben eine Themenliste und Sie haben sich sogar auf vier Themen oder Problemkreise geeinigt, die Sie zusammen erörtern wollen. Ein Thema ist die Arbeitsplatzsicherheit. Dieses Thema beschäftigt sie beide stark. Ich schlage vor, dass wir dieses Thema als Erstes angehen.“

Ich war zufrieden mit dem Erreichten und dem Engagement, das die zwei Frauen an den Tag legten und sagte es ihnen auch. Echtes Lob über erreichte Zwischenziele war sehr hilfreich, um den Parteien zu zeigen, wie gut sie unterwegs waren. Das motivierte zum Weitermachen. In diesem Falle erkannten beide Frauen, dass sie ähnliche Sorgen belasteten. Dies war ein wichtiger Schritt in Richtung möglicher Lösungsansätze.

Frau Veltinger und Frau Kalkbreite signalisierten verhalten, dass es aus ihrer Sicht auch gar nicht so schlecht angelaufen war.

„Ich meine, ich stelle zumindest fest“, sagte Frau Kalkbreite mit einem Anflug von Überraschung in der Stimme, „dass ich mich mit Frau Veltinger zumindest auf vier gemeinsame Themen geeinigt habe und ich gebe zu, dass ich Frau Veltinger zum Teil verstehe. Wobei ich aber immer noch nicht glücklich bin über ihr Verhalten von letzter Woche. Aber eben: Ich meine wir haben uns immerhin auf was ‚geeinigt‘“, betonte sie, “das ist schon noch speziell, auch wenn das wohlgemerkt noch gar nichts sagt. Ich wollte das nur bemerken.“

Frau Veltinger bestätigte in ähnlich verhaltenen Worten ihre Sicht. Beide hatten heute ein Erfolgserlebnis, trauten aber, nach all den schlechten Erfahrungen miteinander, weder dem Ergebnis noch der anderen Frau. Sie waren aber beide positiv gestimmt, das war eindeutig. Keine wollte aber der anderen schon jetzt einen zu grossen Schritt entgegenkommen. Sie hätten ja damit ihre Position schwächen können und ganz war der Sache ja noch nicht zu trauen.

Ich verabschiedete die zwei Frauen an der Haustüre.

Was mich überraschte war, dass sie mit nur einem Auto gekommen waren. «Gut Klarau» lag abgelegen und sie hatten sich vielleicht auch nur arrangiert aber ungewöhnlich war es trotzdem. Ich stellte mir vor, wie die Hinfahrt gewesen war und wie die Rückfahrt wohl sein würde.

Ich ging zurück in das Kaminzimmer und machte mir meine Notizen, damit ich das nächste Mal den Einstieg in die zweite Besprechung leichter fand.

In der Mediation war für mich nicht zentral, ob ich die fünf Schritte, die ich den Frauen Kalkbreite und Veltinger erläutert hatte, exakt einhielt. Im Zentrum stand vielmehr, dass die Parteien ihre effektiven Bedürfnisse und Interessen feststellen und artikulieren konnten. Die Parteien erkannten oft erst während eines Mediationsverfahrens, warum ihnen etwas besonders wichtig war oder warum sie ein Verhalten des Gegenübers so betroffen gemacht oder geärgert hatte. Solche Erkenntnisse waren der Schlüssel für einen Konsens. Ein weiterer Erfolgsfaktor war, dass die Gegenpartei zuhörte und realisierte, WARUM das Gegenüber so reagiert hatte.

Bei den zwei Frauen hatte ich ein gutes Gefühl. Beide legten während der Themensammlung und der Problemerfassung genügend Empathie an den Tag, um auch die Gegenpartei verstehen zu können und zu wollen.

Ich hatte schon Fälle gehabt, bei denen bei den Parteien keine Erkenntnisse reiften und überhaupt keine Bereitschaft vorhanden war, sich Fragen zu den eigenen Bedürfnissen und Interessen zu stellen. So hatte ich auch schon während des zweiten Schrittes eine Mediation abgebrochen. Dies war zwar selten, ich versuchte die Parteien immer dazu zu bewegen, dem Mediationsverfahren eine Chance zu geben, in dem sie nicht gleich bei der ersten Hürde aufgaben.

Meine Mediationen führten mir immer wieder vor Augen, wie hochkomplex und nuancenreich das Verhalten der Menschen war. Kaum erkennbare Kleinigkeiten machten den Erfolg oder Misserfolg einer Mediation aus oder führten dazu, dass sie erst Fahrt aufnahm.

Das Sprechen, das Auftreten, der Blickkontakt oder generell die Körpersprache waren entscheidend.

Ich musste dabei besonders aufmerksam sein und virtuos mit den verschiedenen Frageformen spielen. Fragen waren einer der Kernelemente der Mediation und nirgends zeigte es sich so deutlich wie bei einer Mediation, dass der, der fragt, auch das Gespräch führte. Ich versuchte mein Verhalten und meine Körpersprache sehr bewusst und gezielt aber unauffällig, den unterschiedlichen Situationen während einer Mediation anzupassen.

Mein eigenes Verhalten und Auftreten war im Mediationsverlauf genauso wichtig, wie das der Parteien, wenn nicht sogar entscheidender.

Ich war mir bewusst, dass die Gefahr bestand, dass ich fasziniert vom Studium des Verhaltens meiner Medianten, zwischenzeitlich den Auftrag und die Konflikte meiner Kunden beinahe vergessen konnte. Ich hatte mich auch schon dabei ertappt, dass ich bei den Medianten bewusst Reaktionen hervorrief, nur um zu sehen, ob sich meine Verhaltensthesen bestätigten. Im Nachhinein hatte ich jeweils ein schlechtes Gewissen.

Während einer Mediation kam mir hin und wieder der Philosoph Ludwig Wittgenstein in den Sinn, der gesagt haben soll ‚Sprache ist Verhexung des Geistes‘. Ich verhexte meine Medianten dahingehend, dass ich sie zum Zuhören und Nachdenken bewegte.

Im Umgang mit den Menschen hatte ich auch gelernt, dass viele Verhalten oft irrational schienen. Ich versuchte daher auch, mich vor allzu voreingenommenen Betrachtungen zu hüten. Dies gelang mir zugegebenermassen nicht immer. Auch ich hatte meine Anschauungen und vorgefertigten, zum Teil stereotypen Ansichten. Auch war ich nicht davor gefeit, Vorurteile gegenüber meinen Klienten zu haben. Sicher war es ein Vorteil, dass mir diese Vorurteile zum Teil bewusst waren und ich sehr wohl mein eigenes Verhalten analysierte und Lehren daraus zog. Zumindest eine: Misstraue deinen Ansichten und Anschauungen.

(Ende des 1. Teils).

Warum es so wichtig ist, als Mediator zu den Konfliktparteien eine gute ‘Beziehung’ aufzubauen.

Bei der Mediation dreht sich vieles um Gefühle und Emotionen. Darum ist es als Mediator[1] essenziell, sich auf die Menschen, die ihm in der Mediation gegenübersitzen einzulassen und sich nicht nur auf Fakten zu beschränken. 

Unser Umfeld ist heute mehr denn je von unterschiedlichen Kulturen, Ansichten und Werten geprägt. Auch in der Schweiz spielen internationale Beziehungen sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld eine grosse Rolle – der Nachbar kommt aus einem anderen Land, die Sprache, Kultur und das Wertesystem sind weitgehend unbekannt. Der Mitarbeiter oder Geschäftspartner hat eine andere Hautfarbe und kommt aus einem Land, das man selbst nur von Bildern oder aus den Nachrichten kennt. 

Obgleich dies eine grosse Bereicherung für die Menschheit ist (davon bin zumindest ich voll überzeugt), kann dies zu Konflikten führen. Konflikte beruhen oft auf unterschiedlichen Werten, Vorstellungen und Wünschen und auch das Kommunikationsverhalten der Kulturen kann sich stark unterscheiden. 

Als Mediator bin ich konstant mit unterschiedlichen Werten und Interessen konfrontiert. Umso mehr, wenn es sich um Parteien unterschiedlicher kultureller Hintergründe handelt. Ich muss daher versuchen mich auf diese Unterschiede einzulassen (nicht zwingend sie zu verstehen) und damit den Parteien die Chance geben, tatsächlich ‘gehört’ zu werden. Hinzu kommen meine eigene Kultur und Werte, die meine Wahrnehmung ebenfalls beeinflussen. 

Wie also kann ich mich auf diese Unterschiede einlassen? Das Zauberwort lautet ‘Beziehung’ oder ‘Verhältnis’ aufbauen (englisch ‘to build rapport’). Damit ist gemeint, dass man eine Verbindung zum Gegenüber schafft, die es allen Parteien erlaubt, sich offen und ehrlich in der Mediation zu bewegen. Wenn ich mein Gegenüber als interessanten, gleichberechtigten Menschen wahrnehme, bin ich bereit, ihm zuzuhören und zu akzeptieren, dass auch seine Werte und Interessen eine Berechtigung haben und wertvoll sind. Nur wenn ich als Mediator auf jede Partei eingehe, kann auch die andere Konfliktpartei einen Zugang zum Gegenüber finden, ihr den notwendigen Respekt zollen und so einer Konfliktlösung näherkommen. 

Wie aber schaffe ich es als Mediator, diese ‘Beziehung’ aufzubauen?  Es fängt damit an, dass ich aktiv zuhöre und Interesse zeige. Dies geschieht durch Fragestellungen, zu einem grossen Teil aber auch durch nonverbale Kommunikation – und oft sogar durch Schweigen. Manchmal hilft es, den Prozess der Mediation etwas zu verlangsamen, um sicherzustellen, dass alles verstanden wurde. Dies nennt man ‘Entschleunigung’. 

Zu jeder Zeit muss der Mediator unbedingt neutral bleiben, alle Parteien gleichberechtigt und somit keine Seite bevorzugt behandeln. Offenheit und Ehrlichkeit zwischen den Parteien ist wichtig – ebenso wichtig für eine Einigung ist es aber auch, dass der Mediator aufrichtig auf die Interessen aller Mediationsparteien ein- und unterstützend vorgeht. 

Erfahrung hilft dem Mediator beim Aufbau von ‘Beziehungen’ zu den Parteien. Es kann aber auch nützlich sein, sich insbesondere im Thema ‘interkulturelle Kompetenz’ weiterzuentwickeln und Wissen aufzubauen.  

Der Aufbau der ‘Beziehungen’ erleichtert den Mediationsprozess ungemein und verbessert die Chance, zu einer Lösung zu kommen – auch wenn es keine Garantie dafür gibt. Es lohnt sich auf jeden Fall, Mediation also Konfliktlösungsinstrument eine Chance zu geben. 

Für einen ersten Kontakt kommen Sie gerne auf mich zu (+41 079 667 38 54 oder beatrice.herrmann@shiok.ch).

Dr. Beatrice Herrmann ist Unternehmensberaterin, Mediatorin und Executive Coach (https://www.linkedin.com/in/dr-beatrice-herrmann-275698/)


[1] Im Artikel ist immer auch die weibliche Form gemeint. 

Was haben Commercial Mediation und Digitale Transformation miteinander zu tun?

Digitale Transformation

Die digitale Transformation führt zu Veränderungen auf vielen Ebenen. Bestehende Organisations-, Führungs- und Machtstrukturen gehen verloren. Neue, agile Organisationsformen werden sie mehr und mehr ablösen. Arbeit findet in Netzwerken statt, diese können sogar über die Firmengrenzen hinausgehen. Produkte und Dienstleistungen werden mehr und mehr projektartig entwickelt und produziert / betrieben.

Was in der Theorie großartig klingt, hat eine zentrale Herausforderung zu bewältigen – der Mensch ist nicht für schnellen Wandel gemacht! Menschen agieren zu einem hohen Prozentsatz routinen-gesteuert. Eine Transformation geht einher mit einer Veränderung von Denk- und Verhaltensmuster. Und ein Veränderungsprozess erfolgt nicht bei allen Menschen in derselben Geschwindigkeit. Damit sind Reibungspunkte oder Konfliktsituationen oft nicht zu vermeiden.

Wenn wir nun davon ausgehen, dass künftig Transformation nicht eine einmalige, temporär beschränkte Angelegenheit ist, sondern stetiger und vor allem schneller Wandel an der Tagesordnung ist, dann kann man sich gut vorstellen, wie viel Widerstand ständig im System sein wird. Willkommen in der VUCA-Welt! Und hier kommt die Mediation ins Spiel.

Der Corona-Effekt

Aktuell kommt auch noch der Corona-Effekt dazu. Dieser führt auf der einen Seite dazu, dass viele Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten. Dir Form der Zusammenarbeit hat sich dadurch 2020 zum Teil drastisch verändert. Auf der anderen Seite ist Angst verursacht durch eine Unsicherheit basierend auf einer unklaren näheren Zukunft vielfach auch ein Treiber von möglichen Konfkliktsituationen.

Konfliktherde

In der oben beschrieben Situation sind Konfliktherde in den folgenden Beziehungen denkbar:

  • Führung / Leader versus Mitarbeiter
  • Mitarbeiter versus Mitarbeiter
  • Unternehmen versus Partner, Lieferanten, Regulatoren etc
  • Unternehmen versus Kunden

Während sich die innerbetriebliche Mediation auf interne Beziehungen fokussiert, kommt die Commercial Mediation heute bei Konflikten zwischen Unternehmen mit Kunden, Partnern, Lieferanten etc. zur Anwendung. Nun verschwimmen aber durch die digitale Transformation Unternehmensgrenzen durch agile Zusammenarbeit in Netzwerken. Somit verschwinden auch die Grenzen zwischen innerbetrieblicher und Commercial Mediation – aber Mediation als effizienzsteigernde und kostensparende Möglichkeit gewinnt mehr an (wirtschaftlicher) Bedeutung.

Zusammenfassung

Die digitale Transformation führt zu teilweise radikalen Veränderungen in bestehenden Organisation-, Führungs- und Machtstrukturen. Menschen sind zu einem großen Teil routinen-getrieben, die Veränderungen von Denk- und Verhaltensmuster erfolgen vielfach zeitlich nicht synchron mit der Transformation. Zudem wird Transformation eher ein Dauerzustand. In dieser Situation werden Reibungspunkte, Konfliktsituationen häufiger auftreten. Und so steigt auch der Bedarf an Mediation als Mittel, Reibungen in sich wandelnden Systemen zu verhindern. Noch mehr als davor wird somit Commercial Mediation ein Faktor, welcher die Wirtschaftlichkeit gerade in agilen Organisationen erhöhen wird.

Haben Sie noch weitere Fragen? Dann rufen Sie mich jetzt an!

David Bärtsch, Experte für Commercial Mediation, Konfliktlösungs-Coach, Peace Maker. Als Unternehmsentwickler und systemischer Coach kennt er viele Konfliktsituationen und die möglichen Lösungsansätze aus der Praxis.

www.mindtrain.ch

Corona-Krise: Mediation bei betreibungs- und konkursrechtlichen Streitigkeiten

Mediation ist bei der effizienten und kreativen Beilegung von B2B-Streitigkeiten ebenso wie bei B2C oder anderen Streitigkeiten, die im Zusammenhang mit vollstreckungsrechtlichen Problemstellungen stehen, ein äusserst sinnvolles Verfahren. Auch wenn diese Feststellung nicht als Neuigkeit bezeichnet werden kann, so ist es aber äusserst erfreulich, dass dies nun aus berufenem Munde bestätigt wird: Prof. Dr. Franco Lorandi führt in seinem Aufsatz aus, welchen direkten Nutzen das Mediationsverfahren für die Bewältigung von Streitigkeiten im vollstreckungsrechtlichen Umfeld hat. Darüber hinaus muss davon ausgegangen werden, dass die Corona-Krise unser Vollstreckungsrecht nochmals herausfordern wird. Die ökonomische Corona-Krise nimmt jetzt erst ihren Beginn. Es ist zu hoffen, dass Gläubiger und Schuldner sinnvolle Wege beschreiten, um einen für beide Seiten guten und zielführenden Weg zu gehen. Bezüglich den Einsatz von Mediation im Vollstreckungsrecht mögen Sie den Aufsatz von Franco Lorandi lesen.

Online Mediation: Rasche effiziente Streitbeilegung während der Corona-Krise

Viele MediatorInnen haben die Befürchtung geäußert, Online-Mediationen seien nicht so effektiv wie die klassische Mediation, bei der sich die Parteien persönlich treffen. Ich habe diese Sorge geteilt und darauf bestanden, dass dies ein Prozess ist, der auf einem persönlichen Kontakt basiert. Jetzt haben mich die Corona-Umstände dazu gezwungen, den online-Mediationsprozess zu verwenden.

Ich freue mich, berichten zu können, dass der Prozess erfolgreich war. Die Online-Mediation ist nicht ganz so gut wie eine persönliche Vermittlung, aber sie ist näher dran als ich mir das zuvor hätte vorstellen können. Wir sind durch die Corona-Krise gezwungen, Dinge anders zu tun als wir es uns gewohnt waren. Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass Online-Mediation das persönliche Zusammentreffen bei Mediationen künftig ersetzen wird, aber ich denke, sie wird durch die Erfahrungen, die wir infolge dieser Krise machen werden, an Popularität gewinnen. Wir können die Bearbeitung von aktuellen Konflikten nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben und darauf vertrauen, dass nach der Corona-Krise alles gleich weitergehen wird wie zuvor. Vielmehr sollten wir diese Situation nutzen, um den Parteien und ihren allfälligen Beratern (z.B. Anwälte) zu zeigen, dass Mediation auch online sehr gut funktioniert.

Und so geht’s: Ich sende den Parteien einen Link. Diese klicken diesen an, um sich für die Online-Sitzung zu registrieren.

Sobald die Verbindung hergestellt ist, gibt es für die Parteien nichts mehr zu tun, außer mit mir und miteinander zu reden, wie wir es in einer typischen Mediation tun würden. Unabhängig davon, wo Sie sich physisch befinden, können die Parteien mit oder ohne Berater (z.B. Anwälte) an der Sitzung teilnehmen. Das Gespräch unter den Teams, d.h. zwischen einzelnen Mitgliedern einer Partei, oder zwischen einer Partei und ihren Beratern sowie auch mit mir als Mediator kann auch in separaten Break-out-Räumen stattfinden.

Die Technologie erlaubt es mir, virtuelle Räume einzurichten, wie ich es in einem Büro mit mehreren Konferenzräumen tun würde. Wenn es sinnvoll erscheint, kann ich mit den Parteien vorsehen, dass verschiedene Break-out-Räume eingerichtet werden. Ich bringe sodann die Parteien mit allfälligen Begleitern in ihren jeweiligen Raum. In einem typischen Zweiparteien-Fall könnte das zwei Räume bedeuten. In einem Mehrparteienfall richten wir so viele Räume ein, wie nötig. Die Parteien entscheiden, wer in Ihrem Raum ist. Sie sehen und hören jeden in Ihrem Raum auf dem Computerbildschirm. Niemand sonst kann Sie in dem Raum hören oder sehen, wenn Sie nicht hereingebeten werden. Ich bewege mich in den verschiedenen Räumen ein und aus, wenn es die Situation erfordert. Sie können zum Beispiel darum bitten, sich mit oder ohne mich mit einer anderen an der Mediation teilnehmenden Person zu treffen und auszutauschen.

Versuchen Sie es. Bestimmt werden Sie angenehm überrascht sein. Für weitere Informationen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung:

James T. Peter

james.peter@ksup.ch

30. März 2020

Wie starte ich eine Mediation?

Man hört und liest viel über Mediation. Sie haben vielleicht auch schon daran gedacht, mit einer Mediation einen Konflikt lösen zu wollen. Aber Sie wissen nicht, wie Sie eine Mediation starten?

Die Verantwortung für die Lösungsfindung in einer Mediation liegt immer bei den Parteien – und das beginnt bereits am Anfang. Eine Mediation beginnt damit, dass sich die beiden Parteien auf ein Mediationsverfahren zu Lösung des Konfliktes einigen. Dies kann zum Beispiel durch eine Mediationsklausel in Verträgen oder durch gegenseitige Absprache erfolgen.

Wenn eine Einigung über das Verfahren erlangt wurde, suchen die Parteien einen geeigneten Mediator. Empfehlenswert ist es, nach akkreditierten Mediatoren zu suchen, um die Qualität des Verfahrens sicherzustellen. Die Mediationsverbände und -Vereine bieten dazu auf den Websites entsprechende Suchfunktionen an. Sie dazu auch meinen Artikel ‹Wie finde ich den richtigen Mediator?›.

Wenn die Parteien den geeigneten Mediator gefunden habe und von beiden Parteien akzeptiert wird, nimmt der Mediator zu den Parteien Kontakt auf. Er erklärt in einer ersten Sitzung das Vorgehen und die Rollen der Parteien, des Mediators und der Anwälte (wenn diese im Verfahren dabei sind). Gemeinsam werden die Grundregeln besprochen und ausgehandelt. Die Parteien prüfen nochmals, ob der vorliegende Fall für einen Mediation geeignet ist. Nachdem sich die Parteien auf einen Zeitplan geeinigt haben, setzt der Mediator einen Mediationsvertrag auf.

Mit der Unterzeichnung des Mediationsvertrages durch alle Beteiligten ist das Mediationsverfahren gestartet.

Haben Sie noch weitere Fragen? Dann rufen Sie mich jetzt an!

David Bärtsch, Experte für Commercial Mediation, Konfliktlösungs-Coach, Peace Maker. Als Unternehmsentwickler und systemischer Coach kennt er viele Konfliktsituationen und die möglichen Lösungsansätze aus der Praxis.

www.mindtrain.ch

Mediation: Ein Film mit Happy End!

STELLEN SIE SICH FOLGENDES SZENARIO VOR!

Eine Softwarefirma programmiert eine Lösung für einen Kunden. Bei der Einführung bemängelt der Kunde, dass die Lösung nicht alle Anforderung richtig beinhaltet. Die Softwarefirma beruft sich auf die Anforderungsspezifikationen. Der Kunden moniert, dass er diese so nie abgesegnet hat. Streitwert in dieser Angelegenheit beträgt mehrere Tausend Franken. Ein Fall für eine Mediation!

Eine klassische Konfliktsituation, wie sie so oder ähnlich immer wieder vorkommt. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie sind Drehbuchautor oder Regisseur eines Films. Welches der nachfolgenden Enden würden Sie für Ihren Film wählen?

ENDE 1: DIE ESKALATION

Die Softwarefirma und der Kunde geben sich gegenseitig die Schuld an der Situation. Beide Parteien engagieren Anwälte, welche Klageschriften aufsetzen. Der Streit endet nach einem monatelangen Ringen mit einem Urteil vor Gericht. Beide Parteien binden über Wochen Ressourcen in diesem Prozess. Selbstredend, dass der Kunde in der Zwischenzeit einen anderen Softwarehersteller mit der Lieferung der Lösung beauftragt. Dieser kann Lösung aber erst Wochen nach dem Gerichtsurteil liefern. Die Beziehungen zwischen dem Kunden und dem ursprünglichen Softwareentwickler geht zu Bruch.

ENDE 2: DIE MEDIATION

Die Softwarefirma und der Kunde geben sich gegenseitig die Schuld an der Situation. Beide Parteien engagieren Anwälte, verständigen sich aber auf eine Mediation. Der Mediator macht die Positionen der beiden Parteien transparent. Dabei wird klar, dass die Softwarefirma aus Zeitdruck voreilig mit der Realisation begonnen hat. Sie hat ein mündliches OK seitens des Kunden als formale Abnahme interpretiert. Der Kunde seinerseits erkennt, dass die Anforderungsbeschreibungen in einigen Punkten unklar waren. Er hat zum Zeitpunkt der geplanten Abnahme zu wenig Zeit für die Abnahmegespräche mit der Softwarefirma aufgewendet.

Die Parteien einigen sich in der Medation darüber, wie die Situation gelöst wird. In einer Mediationsvereinbarung halten Sie die Massnahmen dazu fest. Sie bilden eine gemeinsame Taskforce zur möglichst schnellen Erledigung der ausstehenden Aufgaben. Die Anwälte prüfen die Vereinbarung auf rechtlich relevante Punkte, die Taskforce startet sofort mit der Arbei. Das Problem wird auf diesem Weg schnell gelöst. Die Beziehung zwischen der Softwarefirma und dem Kunden hat sich durch die Taskforce sogar noch gefestigt. Die Prozesse zur Beschreibung und Abnahme der Anforderungen werden auf beiden Seiten verbessert. Der Kunde empfiehlt den Softwarehersteller in seinem Netzwerk weiter.

WELCHES ENDE WÜRDEN SIE WÄHLEN?

Eine Mediation hat in diesem Beispiel folgende Vorteile:

  • Die Diskussion im Konflikt ist immer zielorientiert und darauf ausgerichtet, eine tragfähige und nachhaltige Lösung zu finden.
  • Die Parteien machen keine Schuldzuweisungen, sie formulieren den Weg zum Ziel.
  • Die Mediation ist in der Regel immer schneller als ein Gerichtsverfahren.
  • In einem Gerichtsverfahren gibt es einen Prozessgewinner und einen Prozessverlierer, in einer erfolgreichen Mediation gibt es keine Verlierer.
  • In einer Mediation erarbeiten die Parteien die Lösung, in einem Gerichtsverfahren ist die Lösung eher fremdbestimmt.
  • Eine erfolgreiche Mediation ermöglicht, dass die Beziehung zwischen den Parteien weiter möglich ist – und im Idealfall sogar noch gestärkt wird.
  • Anwälte arbeiten in einer Mediation an einer tragfähigen Lösung mit. Sie können sich inhaltlich mehr einbringen als in einem Gerichtsverfahren, wo es eher um eine reine Auslegung vom Gesetz geht
  • Und – die Parteien teilen die Kosten auf, sie sind tiefer als bei einem langwierigen Gerichtsverfahren.

Wie gehen Sie das nächste Mal vor, wenn in Ihrem beruflichen Umfeld ein Konflikt entsteht? Werden Sie zum Regisseur Ihres eigenen Films und schließen Sie diesen mit einer Happy End-Szene ab!

Haben Sie noch weitere Fragen? Dann rufen Sie mich jetzt an!

David Bärtsch, Experte für Commercial Mediation, Konfliktlösungs-Coach, Peace Maker. Als Unternehmsentwickler und systemischer Coach kennt er viele Konfliktsituationen und die möglichen Lösungsansätze aus der Praxis.

www.mindtrain.ch