Die Mediationsklausel
Konflikte klären, bevor sie eskalieren
Die meisten Verträge regeln, was passiert, wenn alles gut läuft.
Doch was passiert, wenn Meinungsverschiedenheiten entstehen?
Gerade in Unternehmen entstehen Konflikte oft dort, wo Erwartungen, Interessen oder Interpretationen auseinandergehen. Das kann zwischen Geschäftspartnern passieren, mit Kunden, Lieferanten oder auch innerhalb des Unternehmens zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften.
Die gute Nachricht: Der Umgang mit Konflikten lässt sich bereits beim Vertragsabschluss mitdenken.
Warum Konflikte bereits im Vertrag berücksichtigt werden sollten
Viele Verträge enthalten Regelungen zum Gerichtsstand. Damit wird festgelegt, welches Gericht im Streitfall zuständig ist.
Deutlich weniger verbreitet ist die Mediationsklausel.
Dabei kann genau diese kleine Ergänzung einen grossen Unterschied machen.
Mit einer Mediationsklausel vereinbaren die Vertragsparteien, dass sie bei einem Konflikt zuerst versuchen, gemeinsam mit einer neutralen Mediatorin oder einem neutralen Mediator eine Lösung zu finden, bevor sie den Weg über Anwälte oder Gerichte wählen.
Damit wird bereits in einer sachlichen und konstruktiven Phase festgelegt, wie mit künftigen Konflikten umgegangen werden soll.
Was eine Mediationsklausel bewirkt
Konflikte kosten Unternehmen Zeit, Geld und Energie.
Noch gravierender sind jedoch die indirekten Kosten:
- Vertrauensverlust
- Verzögerungen in Projekten
- Belastung von Mitarbeitenden
- Sinkende Produktivität
- Beschädigte Geschäftsbeziehungen
Eine Mediationsklausel schafft Klarheit über das Vorgehen, bevor Emotionen und verhärtete Positionen die Zusammenarbeit erschweren.
Sie signalisiert:
«Wenn wir einmal unterschiedlicher Meinung sind, suchen wir zuerst gemeinsam nach einer Lösung.»
Das ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch Ausdruck einer professionellen Unternehmenskultur.
Die Vorteile einer Mediationsklausel
Schnellere Lösungen
Mediationen können oft innerhalb weniger Tage oder Wochen gestartet werden. Gerichtsverfahren dauern hingegen häufig Monate oder sogar Jahre.
Geringere Kosten
Je früher Konflikte bearbeitet werden, desto geringer sind die finanziellen und personellen Folgekosten.
Erhalt von Beziehungen
Gerade bei Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern oder Mitarbeitenden ist die Beziehung oft wertvoller als das eigentliche Streitthema.
Mehr Gestaltungsspielraum
Während Gerichte rechtliche Fragen entscheiden, ermöglicht Mediation individuelle und kreative Lösungen, die den Interessen aller Beteiligten Rechnung tragen.
Klare Spielregeln
Im Konfliktfall muss nicht zuerst darüber diskutiert werden, wie vorzugehen ist. Der erste Schritt ist bereits vereinbart.
Wo Mediationsklauseln sinnvoll eingesetzt werden können
Viele denken bei Mediationsklauseln ausschliesslich an Geschäftsverträge.
In der Praxis empfehlen wir jedoch einen deutlich breiteren Einsatz:
- Geschäfts- und Dienstleistungsverträge
- Lieferantenverträge
- Kooperations- und Partnervereinbarungen
- Aktionärsbindungsverträge
- Gesellschaftsverträge
- Arbeitsverträge
- Kaderverträge
- Nachfolgeregelungen
- Projektvereinbarungen
Überall dort, wo Menschen zusammenarbeiten, können Konflikte entstehen. Und überall dort kann eine Mediationsklausel den Weg zu einer konstruktiven Lösung ebnen.

Eine kleine Klausel mit grosser Wirkung
Eine Mediationsklausel verhindert keine Konflikte.
Aber sie beeinflusst entscheidend, wie Konflikte behandelt werden.
Wer bereits beim Vertragsabschluss festlegt, dass zuerst das Gespräch und die gemeinsame Lösungsfindung gesucht werden, schafft die Grundlage für einen professionellen und wirtschaftlich sinnvollen Umgang mit Meinungsverschiedenheiten.
Aus unserer Sicht gehört die Mediationsklausel heute zu den unterschätzten Instrumenten moderner Unternehmensführung.
Muster einer Mediationsklausel
«Bei Streitigkeiten, Meinungsverschiedenheiten oder Ansprüchen aus diesem Vertrag oder im Zusammenhang mit diesem Vertrag verpflichten sich die Parteien, vor Einleitung eines Gerichtsverfahrens zunächst eine Mediation durchzuführen.
Die Parteien bestimmen die Mediatorin oder den Mediator gemeinsam. Können sie sich nicht einigen, erfolgt die Benennung nach den geltenden Richtlinien einer anerkannten Mediationsorganisation. (z.B. Schweizer Kammer für Wirtschaftsmediation).
Ort der Mediation ist (ORT).
Die Verfahrenssprache ist (SPRACHE).»
Fazit
Die beste Zeit, um über Konflikte nachzudenken, ist nicht mitten im Konflikt.
Die beste Zeit ist beim Vertragsabschluss.
Eine Mediationsklausel kostet praktisch nichts, kann aber im Ernstfall erhebliche Kosten, Zeitverluste und unnötige Eskalationen vermeiden.
Sie schafft Klarheit, fördert die Lösungsorientierung und stärkt langfristig die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Parteien.
David Bärtsch ist Experte für Commercial Mediation, Konfliktlösungs-Coach und Mitbegründer des Kompetrenzzentrum Konfliktlösungen. Als Mediator, Unternehmsentwickler und systemischer Mentor kennt er viele Konfliktsituationen und die möglichen Lösungsansätze aus der Praxis.

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Claudia Wolff, Unsplash