Umgang mit Emotionen in Konflikten
Warum starke Gefühle in Mediationen kein Problem sind, sondern ein Schlüssel zur Lösung
In vielen KMU wird versucht, Konflikte möglichst sachlich zu lösen.
Man spricht über Prozesse, Zuständigkeiten, Termine oder Kommunikation. Doch oft liegt die eigentliche Ursache ganz woanders: bei verletzten Gefühlen, Unsicherheit, Enttäuschung oder Angst.
Gerade in inhabergeführten Unternehmen, kleinen Teams oder langjährigen Zusammenarbeit spielen Emotionen eine grössere Rolle, als viele Geschäftsführende wahrhaben wollen.
Und genau deshalb scheitern viele Konfliktgespräche.
Denn Konflikte sind selten rein sachlich. Menschen reagieren emotional. Immer.
Warum Emotionen Konflikte verstärken
Emotionen entstehen nicht zufällig. Sie hängen oft mit Erfahrungen, Prägungen und persönlichen Werten zusammen.
Ein kritischer Kommentar im Meeting kann bei einer Person nur kurz irritieren. Bei einer anderen löst er starken inneren Druck aus. Nicht wegen des Satzes allein, sondern wegen der Bedeutung dahinter.
Wer sich nicht respektiert, übergangen oder bedroht fühlt, reagiert emotional. Häufig unbewusst.
Im Unternehmensalltag zeigt sich das zum Beispiel so:
- Rückzug aus Gesprächen
- Gereizte Reaktionen
- Passive Blockaden
- Übermässige Kontrolle
- Schweigen statt Diskussion
- Plötzliche Eskalationen
Viele Führungskräfte interpretieren solche Reaktionen vorschnell als „schwierig“, „unprofessionell“ oder „emotional instabil“.
Dabei sind Emotionen oft einfach ein Signal:
Hier stimmt etwas Grundsätzliches nicht.

Der grösste Fehler in Konfliktgesprächen
Der häufigste Fehler in Konflikten ist nicht die Emotion selbst.
Es ist der Versuch, sie sofort wegzudrücken.
Sätze wie:
- „Bleiben wir sachlich.“
- „Das müssen Sie nicht persönlich nehmen.“
- „Jetzt beruhigen Sie sich doch.“
wirken selten deeskalierend. Im Gegenteil. Die betroffene Person fühlt sich oft noch weniger verstanden.
Emotionen verschwinden nicht, nur weil man sie ignoriert.
Sie verlagern sich. Und tauchen später meist stärker wieder auf.
Was gute Mediator:innen anders machen
Professionelle Mediationspersonen versuchen nicht, Emotionen zu kontrollieren. Sie schaffen einen Rahmen, in dem diese konstruktiv angesprochen werden können.
Das bedeutet nicht Drama.
Und auch nicht psychologische Therapie.
Es bedeutet:
- Emotionen wahrnehmen
- Reaktionen ernst nehmen
- Hintergründe verstehen
- trotzdem lösungsorientiert bleiben
Ein einfacher Satz kann dabei enorm viel verändern:
„Ich habe den Eindruck, dass Sie die Situation stark belastet. Kann das sein?“
Solche Fragen öffnen oft Türen, die vorher verschlossen waren.
Wenn Emotionen plötzlich eskalieren
Manchmal brechen Gefühle mitten im Gespräch auf. Tränen, Wut, Rückzug oder Überforderung gehören in Konfliktsituationen dazu.
Gerade für Führungskräfte ist das oft unangenehm. Viele wollen die Situation sofort beruhigen oder stoppen.
Doch genau hier entscheidet sich häufig, ob ein Konflikt wirklich gelöst werden kann.
Denn hinter starken Emotionen liegen oft die eigentlichen Ursachen:
- fehlende Wertschätzung
- verletztes Vertrauen
- Angst vor Kontrollverlust
- Überforderung
- ungelöste Altlasten
Wer diesen Moment professionell begleitet, schafft oft erstmals echtes Verständnis zwischen den Parteien.
Warum das für KMU besonders wichtig ist
In KMU arbeiten Menschen oft jahrelang eng zusammen. Konflikte wirken dadurch persönlicher und emotionaler als in grossen Konzernen.
Gleichzeitig fehlen häufig:
- neutrale Ansprechpersonen
- strukturierte Konfliktprozesse
- Zeit für saubere Klärung
Die Folge: Konflikte schwelen monatelang unter der Oberfläche und verursachen enorme Kosten.
Nicht nur finanziell.
Sondern auch in Form von:
- sinkender Motivation
- Vertrauensverlust
- innerer Kündigung
- Fluktuation
- Entscheidungsblockaden
- Führungserschöpfung
Emotionen sind kein Störfaktor. Sie sind ein Hinweis.
Wer Konflikte nachhaltig lösen will, muss lernen, Emotionen nicht als Schwäche zu betrachten.
Sondern als wertvolle Information.
Denn oft zeigen Gefühle früher als jede Analyse, wo ein Konflikt wirklich sitzt.
Professionelle Konfliktlösung bedeutet deshalb nicht, Emotionen auszuschalten.
Sondern ihnen den richtigen Platz zu geben, damit wieder Klarheit, Verständnis und Handlungsfähigkeit entstehen können.
Das Kompetenzzentrum Konfliktlösung unterstützt Geschäftsführer:innen, Führungskräfte und KMU bei der strukturierten Klärung von Konflikten, bevor diese eskalieren.
Business statt Paragraphen.
Praxisnah. Neutral. Lösungsorientiert.Mediationsperson hinschauen.
David Bärtsch ist Mitbegrtünder des Kompetenzzentrum Konfliktlösungen sowie Unternehmensentwickler, systemischer Mentor und Mediator. Im systemischen Mentoring sind Gefühle von zentraler Bedeutung.

Claudia Wolff, Unsplash